Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Woher kommt das Wort?

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

In Leserbriefen kommt immer wieder die Frage: „Woher kommt das Wort“, zum Beispiel Brimborium, krottenschlecht, Silberblick?

Die Antworten: Brimborium ist verunstaltet aus lateinisch breviarium ‚Gebetbuch’ und soll eine Zauberformel gewesen sein. – Das Modewort krottenschlecht ist ‚schlecht wie eine Kröte’, denn Krotte ist eine Dialektform von Kröte. –  Silberblick hat ursprünglich ‚Silberglanz bei Metall’ bedeutet, daraus ‚das Weiße in einem schielenden Auge’.

Das Standardwerk für diese Fragen ist „Kluge, Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“, in der 24. Auflage als Taschenbuch preiswert erhältlich. Etymologie ist die Wissenschaft (-logie) von der Herkunft der Wörter, ursprünglich von ihrem „wirklichen“ (griechisch étymos) Sinn.

Ein Beispiel für Etymologie: Die Geschichte unseres Wortes Pferd beginnt erst im Mittelalter, wo lateinisch paraveredus ein ‚Postpferd’ bezeichnete. Die Vorsilbe para- bedeutet ‚neben’. Wenn man zwei Gäule anspannte, nannte man in Hessen den rechten Nebengaul, den linken Reitergaul (weil er gegebenenfalls geritten wurde). Der Reiter bestieg das Pferd von der linken Seite; es musste also links von der Deichsel eingespannt sein. Das Tier auf der rechten Seite wurde zum Nebengaul degradiert. Ähnlich wird es mit dem mittelalterlichen paraveredus gewesen sein. Veredus wiederum kommt aus dem Keltischen, wo ve- ‚unter’ bedeutete und reda ‚Kutsche’. Altkeltisch veredos war also ein Kutschpferd.
Das ältere Wort Ross, englisch horse, lautete im Althochdeutschen hros und ist verwandt mit lateinisch cursus ‚Lauf’, currus ‚Wagen’. Pferd und Wagen verstand man als ‚Renner’ (zu lateinisch currere, mittelhochdeutsch hurren ‚laufen’, eine europäische Sonderentwicklung).
Mähre ist entlehnt aus keltisch marca ‘Streitross’. Das Wort scheint aus dem Fernen Osten zu stammen (mongolisch morin, koreanisch mal, chinesisch ma) und kam wohl durch ein Reitervolk, vielleicht durch die Skythen, schon in vorchristlicher Zeit nach Europa.

Um diese Sprachentwicklung verstehen zu können, müssen wir wissen, dass sich Sprache verändert, aber nicht willkürlich, sondern nach bestimmten Regeln. Dass aus dem paraveredus ein Pferd werden konnte, hängt damit zusammen, dass im frühen Mittelalter in Süddeutschland p zu pf (zweite Lautverschiebung), das umständliche althochdeutsche pfarafrit verkürzt und das erste a durch i-Umlaut zu e wurde.

In der ersten Lautverschiebung war k zu h geworden, wie am Nebeneinander von cursus und horse zu erkennen ist.

Wörter richtig ableiten können wir nur, wenn wir diese Regeln beachten und die alten  Wortformen sowie die sachlichen Hintergründe kennen. Kluges Wörterbuch hat darin eine Meisterschaft entwickelt.

   

nach oben

Übersicht

 

Etymologie "Pferd"

 

Datum: 22.02.2005

Aktuell: 09.02.2019