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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Darmstadt, deine Kelten

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Darmundestat

Mock

Ortsnamen

Lehnwörtern

keltische Sprachgewohnheiten

 

Ganz Hessen ist vom Keltenfieber erfasst. Ganz Hessen? Nein, eine Stadt ist noch nicht infiziert, hat aber die Statue eines frühkeltischen Häuptlings im Museum.

Unsre Sprache steckt voller keltischer Erinnerungen. Auch das Hessische: Eine Mock ist ein Mutterschwein. Die einzige Parallele zu diesem Mundartwort finden wir in den keltischen Sprachen: altkeltisch moccos, muccus, irisch, gaelisch muc, walisisch moch, bretonisch moc'h 'Schwein'. Die auffallende Übereinstimmung mit den keltischen Ausdrücken erklärt sich damit, dass dieses Tier in Hessen immer so geheißen hat. Keltische Bauern brachten dieses Wort ins Provinz-Latein ein und von den Römern übernahmen es die Germanen. Anscheinend hatten die Kelten die fetteren Schweine. Hausschweine, nicht Wildschweine.

Nicht nur im Namen von Darmstadt, auch in anderen Ortsnamen haben sich die Kelten verewigt. Das zeigt eine kleine Auswahl aus vielen anderen Beispielen: Offenbach gehört zu walisisch afon 'Fluss'. [1]  Trebur hat eine Schwester Trefor auf der walisischen Insel Anglesey, zu walisisch tref 'Heim, Siedlung'. Viernheim war nachweislich schon zu keltischer Zeit bewohnt und ist nach der 'Erle' benannt, altkeltisch vernos. Winterkasten war der alte Name der Neunkircher Höhe und kommt von altkeltisch vindos 'weiß'. Das unserem Kasten entsprechende walisische cest kann auch 'Berg' bedeuten und kommt in Bergnamen vor.

In vorrömischer Zeit waren die Kelten die führende Kulturnation in West- und Mitteleuropa. Die Germanen waren fleißig bestrebt, sich der keltischen Kultur anzupassen, und wären vielleicht auch ganz keltisch geworden, wenn die Römer nicht gekommen wären. Der keltische Einfluss zeigt sich in zweierlei Hinsicht:

Erstens in kulturell wichtigen Lehnwörtern, auch aus dem Bereich der staatlichen Organisation: Amt (altkeltisch ambactos 'Bote'), Eid (altirisch oeth 'Eid'), Erbe (altkeltisch orbion 'Erbschaft'), Reich (altirisch rige 'Königreich') sind nur einige Beispiele.

Zweitens haben keltische Sprachgewohnheiten auf die südgermanischen abgefärbt und so die Besonderheiten des Hochdeutschen geprägt: Das sehen wir bei einem Vergleich von altirischem und deutschem recht mit lateinisch rectus, das noch den ursprünglichen k-Laut hat. Auf keltischen Einfluss geht wohl auch der Umlaut zurück: Walisisch oen 'Lamm' hat im Plural einen anderen Vokal (ŵyn), das deutsche Lamm / Lämmer ebenfalls.

Die Kelten sind in Deutschland verschwunden, aber ihre sprachlichen Hinterlassenschaften leben weiter.

 

[1] Der Rossberg ist eher nach Rossdorf benannt als umgekehrt, daher ist mein damaliger Erklärungsversuch falsch. -> Diskussion 2015

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Übersicht

 

Keltische Sprachen | Vorgermanisches Erbgut im Deutschen
Darmstadt Name | in der Sprachecke

 

Datum: 06.12.2005

Aktuell: 16.02.2018