Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Ägyptisches

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Die ägyptischen Pyramiden sind ein Inbegriff des Uralten. So sehen es auch die Araber. Ihr Wort haram 'Pyramide' kann auch 'Altersschwäche' bedeuten (nicht zu verwechseln mit charîm 'Harem').
Woher kommt das Wort Pyramide? Wahrscheinlich aus dem Altägyptischen. Von dieser Sprache kennen wir nur die Konsonanten. Um ägyptische Wörter aussprechen zu können, fügen wir willkürlich Vokale ein, meist E.
Eine königliche Grabanlage nannte man her oder mit Artikel pa-her. Mit einer semitischen Endung wurde daraus her-am (arabisch haram). Das Semitische war auch in Ägypten geläufig. Die Griechen können das Wort als pa-heram kennengelernt haben. Das unaussprechliche H ließen sie weg und hängten die griechische Endung -ís, Genitiv -idós dran und erhielten pyramís mit langem Y, das ursprünglich wie U gesprochen wurde.

Ebenso rätselhaft ist der Name des ägyptischen Schreibmaterials Papyrus. Hier hilft wieder ein Blick ins arabische Wörterbuch: Gemeinarabisch farch, Plural furuch 'Pflanzenschössling, Küken' bedeutet im heutigen Ägypten 'Bogen Papier'. Ein entsprechendes perech gab es schon im Pharaonenreich um 1000 v. Chr. mit der Bedeutung 'aufblühen, aufbrechen; Blüte, Papyruszettel', mit Artikel pa-perech 'die Blüte, der Zettel'. Dies ist also die Grundlage von griechisch pápyros und unserem Papier. Auch hier haben die Griechen einen unaussprechlichen Laut, ch, weggelassen. Perech selbst ist ein Lehnwort aus dem Semitischen (hebräisch parôach 'wachsen, blühen').

Griechisch pápyros bezeichnete das Schreibmaterial und die Sumpfpflanze, aus der es gewonnen wurde. Die Pflanze nannte man auch býblos, bíblos. Davon abgeleitet ist byblíon 'Blatt Papyrus', biblíon 'Buch'; aus dem Plural biblía 'die Bücher' wurde über lateinisch biblia unser Bibel 'christliche heilige Schrift'.
Der Name der Sumpfpflanze býblos könnte aus indogermanisch bé(l)belos 'zum Sumpf' gehörig' entstanden sein, zu litauisch balà 'Sumpf', deutsch Pfuhl, englisch pool 'stehendes Gewässer'. Griechisch Biblís war der Name einer Quelle. Dazu würde der Ortsname Bibeloz, heute Biblis passen, ursprünglich ein alter Name der Ried-Landschaft. Auch Ried 'Schilf' ist ja eine Sumpfpflanze. Der früher häufige Name Biblis ist auch noch erhalten in Wasser-Biblos (österreichisch wass 'nass', also 'nasses Ried'). Bibl- und Ried ergeben zusammen Biebelried (in Franken). Einen ähnlichen Namen trägt das Bubenried bei Reinheim, dessen Name vermutlich als "Bübelried" missdeutet wurde.

Vom Land der Pyramiden zum Hessischen Ried ist ein weiter Weg. Ist die Ähnlichkeit von Biblis mit býblos 'Papyrus' erstaunlich? Ried und Papyrus wachsen auf feuchtem Boden. Nass war in alter Zeit das Land am Rhein wie das am Nil.

   

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 31.10.2017

 

Datum: 10.01.2006

Aktuell: 24.09.2019