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Das Angebot war verlockend: "Über Nacht zum Millionär!" Der arbeitslose Andreas ließ sich die Unterlagen kommen und sprach mit seinem Freund darüber. "Lass die Finger davon", warnte der, "die Sache hat bestimmt einen Haken. Da ist wahrscheinlich einer hinter deinem Geld her."

"Die Sache hat einen Haken"

Gedacht ist da wohl an den Angelhaken, der im Köder versteckt ist. Der Köder ist ein Leckerbissen für den Fisch, der sicher gerne zubeißt. Der Köder in diesem Beispiel ist der versprochene, aber unsichere Millionengewinn, der Haken an der Sache ist, dass Andreas erst investieren soll.

Andreas folgte seinem Freund und versuchte wieder Arbeit zu finden und sein eigenes Geld zu verdienen. Er antwortete auf Anzeigen und schrieb Firmen an, aber "alles war für die Katz" oder wie sein Großvater zu sagen pflegte: "Alles war für die Malcher Gäns." Er fand keine neue Arbeitstelle.

"Das ist für die Katz / für die (Malcher, Rohrheimer, Fehlheimer) Gäns"
Sprachecke 01.09.2015

Früher hielt man es für Verschwendung, eine Katze zu füttern. Die Katze sollte ja Mäuse fressen. Katzenfutter brachte keinerlei Gewinn und hinderte die Katze daran, ihrer Aufgabe nachzukommen. Essensreste, die man "für die Katz" verwendete, waren also verlorene Investitionen.

Schwieriger zu erklären ist die Redensart mit den Gänsen. Denn die Gänse legen Eier, geben ihre Federn und können schließlich geschlachtet und gegessen werden. Es lohnt sich, sie zu füttern. Aber das Gänsefutter ist für uns Menschen wertlos. "Das ist für die Gäns" meinte also: "Das ist nichts wert". Man hat diesen Ausdruck nachträglich durch Ortsnamen erweitert (Malchen, Rohrheim, Fehlheim).

Andreas ließ sich durch seine Misserfolge nicht entmutigen und verfasste Bewerbungsschreiben "bis zur Vergasung". Schließlich bekam er Arbeit und hat dann doch noch ganz gut verdient.

"bis zur Vergasung"

Die Redensart soll nach dem Ersten Weltkrieg aufgekommen sein, hat also nichts mit den nationalsozialistischen Verbrechen zu tun.

Das Bild lässt sich vielmehr durch die Giftgas-Einsätze im Ersten Weltkrieg erklären, bei denen die Wörter vergasen, Vergasung tatsächlich gebraucht wurden. Im Grabenkrieg im Westen lagen die Gegner jahrelang in den Schützengräben und kämpften ohne Entscheidung "bis zur Vergasung", bis sich eine Partei nicht anders zu helfen wusste, als Giftgas einzusetzen.

Andreas fand eine Stelle beim städtischen Gaswerk. Seine Aufgabe besteht darin, Kohle in Brenngas zu verwandeln. Die Kohle vergast dort in einem fortlaufenden Prozess fast von selbst. Andreas muss bloß dafür sorgen, dass es dabei keine Komplikationen gibt. Er braucht im Gaswerk nur bis zum Feierabend, nicht "bis zur Vergasung" zu arbeiten.

   

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Fragen und Antworten: Vergasung

 

Datum: 24.04.2007

Aktuell: 09.02.2019