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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Festessen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Butter

Crème

Rahm

Sahne

Schmant

Schmetten

 

Zum Frühstück gab's Milchbrötchen mit Rahmbutter, zum Mittagessen Kartoffelgratin mit Käse und Sahne, dazu mit Schmant angerichteter Salat und nachmittags Buttercremetorte und Kuchen mit Schlagsahne. Die Bilanz der Feiertage war mal wieder: "zu viel, zu fett, zu süß".

Rahm, Sahne und Schmant waren ursprünglich regionale Bezeichnungen für das abgeschöpfte Milchfett.

Rahm ist das gemeingermanische Wort. Unsre Vorfahren haben es als roum bei iranischen Stämmen in Osteuropa kennengelernt.

An der Mosel, in Nordhessen und in Westfalen, früher auch in Ostpreußen gibt es ein Gebiet, in dem man Schmant sagt. Es bedeutet in einigen Dialekten auch 'Schlamm' und ist verwandt mit plattdeutsch Smadder 'nasser Schmutz'. Die Bedeutung 'Milchfett' scheint eine Neuerung zu sein, die erst zu Beginn der Neuzeit nachweisbar ist.

In Ostdeutschland sagt man Sahne. Das ist auch das schriftdeutsche Standardwort. Flämische Siedler brachten diesen Ausdruck in die Mark Brandenburg. Es stammt von altfranzösisch sain 'Fett, Salbe' und hat die Bedeutung angenommen von keltisch soimen 'Rahm'.

Man kann die Verbreitung der verschiedenen Wörter auf einer Landkarte einzeichnen und erkennt deutlich, dass Rahm, Sahne und Schmant in den einzelnen Landschaften säuberlich getrennt sind. Was tun sie dann aber gemeinsam im Kochbuch, in der Küche und auf dem Esstisch?

Ursprünglich hatte jeder Bauernhof seine Milch selbst weiterverarbeitet zu Butter und Käse und alles selbst vermarktet. Das begünstigte landschaftliche Besonderheiten, in der Kochkunst wie in der Sprache. Außer diesen drei Ausdrücken sind auch noch Abnemete (das Abgenommene), Blotter, Blotz, Flott (niederdeutsch 'Fließen'), Milere, Mirre ("Milchrahm"), Nidel (nideln 'nieder-, herunterschöpfen'), Obers ('das Obere') und Schmetten (tschechisch smetana) gebräuchlich.

Heute wirtschaften wir deutschlandweit, europaweit, ja sogar weltweit. Das begünstigt eine Vereinheitlichung im Speiseplan: "Nudel mit Birnschnitz" gibt's nicht mehr, man isst heute Spagetti mit Tomatensoße. Auch der Sprachgebrauch wurde vereinheitlicht. Sahne wurde zum Standardwort für das handelsübliche Milchfett. Die saure Variante heißt Schmant. Rahm ist der Rohstoff, aus dem man Butter, fettarme Kaffeesahne und fettreiche Schlagsahne herstellt. Crème double (früher sagte man Doppelrahm) hat einen Fettgehalt von über 40 %. 

Crème ist das französische Wort. Es kommt von gallisch crama, das auf ein keltisches scraman 'Schorf, Überzug' zurückgeht, gemeint ist die Haut auf der Milch. Die Crème de la crème (französisch 'Sahne der Sahne') ist aber etwas Anderes. So nennen wir die Prominenz: meist unnahbar, manchmal "ungenießbar" und selten fett oder süß.

   

 

 

 

 

 

Ergänzung

 

 

 

Frage:

Gestern haben wir darüber diskutiert, seit wann Butter verwendet wird. Einer sagte seit den Römern, ein anderer seit dem Mittelalter. Andere sagten seit es Kühe gibt. Ich hab gehört, dass es im Mittelalter nicht üblich war Butter zu verwenden - eher Schweineschmalz. Aber ich weiß es eben nicht ganz genau.

 

meine Antwort:

Unser Wort Butter (ab 10er-Jahrhundert) stammt aus dem Lateinischen. Etwa um dieselbe Zeit ist im Niederfränkischen der Ausdruck kuo-smero, eigentlich 'Kuhfett' überliefert. Es stammt aus Übersetzungsliteratur, ist also eine gelehrte Neubildung. Das alte deutsche Wort war anko, heute noch schwäbisch Anke 'Butter'.

Ich frage mich, warum man das lateinische Wort brauchte, wo es doch ein deutsches gab. Wahrscheinlich kam es im frühen Mittelalter eine neue Technik auf, mit der man das Milchfett in reinerer Form gewinnen konnte als vorher. Der altdeutsche anko war also wohl etwas Anderes als das, was wir heute Butter nennen. Dieses Wort haben wir mit den Kelten gemeinsam. Das entsprechende lateinische unguen bedeutet 'Fett, Salbe'. Kelten, Uritaliker und Germanen waren in der Bronzezeit Nachbarn. Um 1100 sind die Italiker nach Süden gewandert und haben das "Fett" mitgenommen. Die "Butter" muss also in Mitteleuropa bekannt geworden sein, als die Italiener nicht mehr da waren. Da bekam das Wort eine neue Bedeutung.

Nach Aussage der Lexika hatte die Butter in den Mittelmeerländern keine Chance, einmal weil es ja Olivenöl gab, aber auch, weil im Heißen die Butter nicht so gut hält. Grundlage des lateinischen butyrum ist griechisch βούτυρον boú-tyron, was eigentlich 'Kuhkäse' bedeutet. Die Griechen haben es bei den Skythen kennengelernt und hielten es zunächst für eine Art Käse. Vielleicht kann man daraus Schlüsse ziehen auf das Produkt, das man so nannte, viel Quark enthielt.

 

   

 

Frage:

In Ihrer letzten Sprachecke bin ich zunächst über den Begriff Schmant gestolpert, da ich dieses Wort bisher nur als "Schmand" kannte. Im Grimmschen Wörterbuch habe ich herausgefunden, dass es wohl in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern tatsächlich Schmand heißt, darüber hinaus sei es in Hessen der alleinige Begriff für (saure) Sahne. Dies ist vielleicht nicht mehr so aktuell, zumindest in Südhessen ist das Wort nicht so geläufig. Ich vermute eher mal, dass es in Nordhessen gebräuchlicher ist.

 

meine Antwort:

Auch ich kenne nur Schmand mit D, wie er in den Läden verkauft wird. Duden verlangt aber die Schreibung mit T, das ist die hochdeutsche Version des niederdeutschen Wortes.

Ich wäre nie darauf gekommen, im Südhessischen Wörterbuch nachzusehen. Da steht das Wort tatsächlich auch, u. zw. 20 Zeilen, davon 2 mit der Bedeutung 'Rahm', belegt in 11 Orten in Rheinnähe. Die restlichen Nennungen bedeuten 'Schimmel auf Flüssigkeiten, Bodensatz, Schmutzrand, anhaftende Schmutzschicht, Straßenschlamm, Morast'.

Grimm meint mit Hessen selbstverständlich Nordhessen, wo er ja auch lebte (Kassel). Dort gehört es wohl schon zu dem westfälischen Bereich, wo Schmand = Rahm ist. Das Gebiet zieht sich von Westfalen durch das Moseltal bis an die französische Grenze.

 

 

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Übersicht

 

Echo Online | Begriffe Fett | Rahm

Sprachecke 16.12.2008 | 09.03.2010 | 22.05.2012

 

 

Datum: 31.12.2007

Aktuell: 09.02.2019