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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Frau Holle

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Als ich klein war, demonstrierte mir meine Mutter den Unterschied zwischen Märchen und Wirklichkeit: Sie setzte einen Topf Schnee auf den Herd und bewies, dass das keine Bettfedern von der Frau Holle waren, sondern gefrorene Regentropfen.

Frau Holle ist älter als der biblische Methusalem. Der starb mit 969. Diese Fee ist mindestens tausend Jahre alt. Zwischen 1008 und 1012 notierte der Wormser Bischof Burchard, manche Leute glaubten, dass eine Dämonin namens Hulda mit einem Geisterheer durch die Luft reite. Da war sie noch voll jugendlichem Übermut. Im Märchen ist sie eine alte Frau. Es gibt viele Sagen über Frau Holle aus Mittelhessen und Thüringen, die sich nicht alle auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Frau Holle ist Naturgeist, Quellnymphe, dämonische Verführerin, Gespenst im Wütenden Heer, weiblicher Rübezahl und Weihnachtsmann, Fee und Klapperstorch in einem.

Wir kennen sie heute vor allem aus dem Märchen: Ein Mädchen wird von seiner Stiefmutter geplagt, bis es in einen Brunnen springt oder fällt. Auf der Himmelswiese kommt es wieder zu sich, beweist seinen Fleiß und wird von der Frau Holle als Hausgehilfin angestellt. Seine Hauptarbeit: die Betten ausschütteln, damit es auf der Erde schneit. Schließlich kündigt es und wird mit Gold belohnt.

Die Frau Holle im Märchen überschüttet also die Fleißigen mit Glück und die Faulen mit Pech. Sie wohnt im Himmel und deckt sich mit den Wolken zu. Die Schneeflocken sind ihre Bettfedern.

Früher hat man angenommen, und Einige behaupten es immer noch, dass in Frau Holle eine germanische Göttin weiterlebt, wie der Weihnachtsmann und Väterchen Frost dieselbe Gestalt sind. Sie tragen unterschiedliche Namen, gelten aber beide als winterliche Geschenkebringer. Von den germanischen Göttinnen hat man aber ganz andere Geschichten erzählt und sie trugen auch andere Namen. "Frau Holle" ist weiter nichts als ein Name, den man einem Bündel von Sagen und mythischen Vorstellungen gegeben hat, und das im Laufe der Zeit weitere Geschichten an sich zog.

Dabei war Holle ursprünglich kein Name, sondern eine Mundartform von Holde und dies wiederum entstanden aus germanisch Hulda, 'die Geneigte, Zugetane, Wohlgesinnte, Treue'. Holde nannte man allgemein die guten Geister, die bösen waren Unholde. Hulda war vor tausend Jahren keine Göttin, sondern nur eine Dämonin, die die Ehre hatte, dass man ihr einen eigenen Namen gab. Es ist nicht gesagt, dass dieser Name ihr Wesen als 'freundlich' charakterisierte. Nach den Sagen zeigte sie sich manchmal sehr unfreundlich. Man wird sie so genannt haben, um ihr zu schmeicheln und ihre Zuneigung zu gewinnen. So richtig "lieb" wurde die ungestüme Fee erst im hohen Alter, im Märchen.

   

 

 

 

 

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Datum: 08.01.2008

Aktuell: 09.02.2019