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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

 Walpurgisnacht

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die heilige Walburga war eine englische Königstochter, die zur Zeit des Bonifatius nach Deutschland kam. Sie leitete als Äbtissin ein Kloster und starb 779. Am 1. Mai 870 wurde sie heilig gesprochen. Deshalb trägt der 1. Mai samt der Walpurgisnacht ihren Namen. Bis 1700 benannte man auch in evangelischen Gegenden die Kalendertage nach Heiligen. Der Tag begann nicht wie heute um Mitternacht, sondern am Vorabend mit Sonnenuntergang. Daher beginnt die Hexennacht schon am Abend des 30. April.

Der 1. Mai ist das deutsche Gegenstück zum angelsächsischen Halloween. In beiden Nächten geschieht etwas Unheimliches: An Halloween treiben die Gespenster ihr Unwesen und in der Walpurgisnacht die Hexen. Man glaubte vor 1000 Jahren, dass bestimmte Frauen mit dem Wütenden Heer durch die Lüfte reiten können. Das ist der Ursprung der Sage, dass die Hexen am 1. Mai den Besen satteln und zum Blocksberg fliegen.

Normalerweise haben die unheimlichen Mächte in unsrer Welt nichts verloren. Aber wo zwei Zeiten (Sommer und Winter) zusammenstoßen, können die Gespenster durch diese Lücke herüber kommen, wie wir es von der Geisterstunde um Mitternacht kennen. Auf demselben Weg, glaubte man, kamen die Hexen zu den Dämonen.

Der Name der Hexe ist so rätselhaft wie ihr magisches Treiben. Es gibt mehrere ähnliche Vokabeln, von denen dieses Wort abgeleitet sein könnte: Das älteste ist althochdeutsch hazissa 'Dämonin' (um 800), die Verkörperung des Hasses. -issa, -esse kennzeichnet wie in Prinzess das weibliche Geschlecht. Um 1000 ist im Altenglischen hægtesse 'Übeltäterin, Dämonin, Hexe' bezeugt, zu germanisch hagan 'kundig bewirken' und tesu 'Unrecht'. Ebenfalls altenglisch ist hago-rún 'Zauberspruch'; dieses hago- steckt auch in mittelenglisch hagge 'Dämonin', später 'hässliche alte Frau' (englisch hag).

Hexe ("Hägesse") ist das deutsche Wort. Es hat sich in der Bedeutung 'Frau, die mit Hilfe des Teufels Böses herbeizaubert' auch in den Niederlanden und Skandinavien durchgesetzt, wohl im Zusammenhang mit den Hexenverfolgungen seit 1500. Unsre Kinder kennen die böse Zauberin aus dem Märchenbuch.

Das Tun einer Hexe nennen wir hexen oder zaubern. Auch Zauber ist ein rätselhaftes Wort. Germanisch tauwra bedeutete 'Magie', das entsprechende altenglische téafor 'rot, Rötel'. Was haben die beiden Bedeutungen miteinander zu tun? Das Rätsel löst sich, wenn wir germanisch tauwjan 'machen, anfertigen, ausüben' zugrunde legen: Dann bedeutet tauwra 'Ausübung, Magie', dazu passen althochdeutsch zauwa 'Zubereitung, Farbstoff' und altenglisch téafor 'rot'

Soweit bekannt, hatte die heilige Walburga mit Zauberweibern nichts zu tun. Sie wurde nur zufällig mit der Hexennacht in Verbindung gebracht.

   

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Echo Online

Begriffe: zaubern | Sprachecke 20.08.2013

 

Datum: 28.04.2009

Aktuell: 09.02.2019