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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Bunte Blumen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Schade. Die bunte Jahreszeit ist vorüber. Die Blätter trösten uns noch einmal mit ihrer Farbenpracht, bevor sie von den Bäumen fallen und der graue, trübe Winter beginnt. Auch die Blumen machen sich rar. Nur wenige trotzen dem Schnee.

Drei Farben nennen wir nach den Blumen: Rosa, violett, lila von der Rose, dem Veilchen (lateinisch viola), dem Flieder (spanisch lila).

Die Heimat des Flieders scheint Rumänien[1] zu sein. Er heißt auf Rumänisch liliac 'Blumenbaum', auf Bulgarisch ljúljak, abgeleitet vom Blumennamen Lilie.[2] Die anderen romanischen Sprachen haben lilás oder lila und benennen damit auch die Farbe. Unser lila wurde im 19. Jahrhundert aus französisch lilas, gesprochen "lilá", übernommen.
Der Flieder ist bei uns seit 1691 nachweisbar, allerdings unter dem Namen Zirene[3], der von lateinisch syringa abgeleitet ist. Dieses kommt von griechisch syrinx 'Röhre'.[4]
Flieder ist eigentlich das norddeutsche Wort für 'Holunder'. Beide Bäume haben röhrenartige Zweige. Das erklärt auch den lateinischen Namen.
Die Fliederblüten hießen nach ihrer Form auch Nägelchen, ähnlich wie bei der duftenden Gewürznelke, niederdeutsch Ne(ge)lke, nach der die duftende Nelkenblume benannt ist.

Das Veilchen ist die Tochter von lateinisch viola und damit die Schwester von violett. Sie ist die kleine Cousine von griechisch íon, das wohl aus wíon entstanden ist. Die Griechen haben das W schon früh aufgegeben.
Blau wie ein Veilchen war auch die Substanz, die man aus der Weidpflanze (griechisch isátis aus wisátis) gewonnen und mit der man Stoffe gefärbt hat. Nicht gerade blau, aber grün war das römische Glas, das denselben Namen hatte wie die Pflanze: vitrum. Offenbar gehören alle diese Wörter zusammen.

Die Rose gilt als Inbegriff einer Blume und der Schönheit. Ihr Name kommt wie der der Farbe von lateinisch rosa, das mit griechisch (w)rhodon auf ein alteuropäisches veroda zurückgeht, das 'Pflanze' bedeutete. Die altiranische Entsprechung vareda 'Rose' wurde in mehrere orientalische Sprachen übernommen. Eine altdeutsche Verwandte war Wurz 'Pflanze, Wurzel, Gewürz'.
Die gefüllte Rose wurde im Orient gezüchtet. Auf Hindi heißt sie gulâva 'die kugelförmige', davon abgeleitet iranisch gul, türkisch gül 'Rose'. In Europa gab es zunächst nur die einfache Heckenrose, die auch in Wappen gezeigt wird wie in dem von Roßdorf und bei der Lutherrose. Die gefüllten Sorten wurden bei uns in den Klöstern gezüchtet. Dadurch wurde ihr lateinischer Name rosa auch in Deutschland bekannt. Die einheimische Wildrose nannte man nach der Frucht Hiefe. Unsre Vorfahren schätzten weniger die Blüten als vielmehr die essbaren Hagebutten (Hag 'Dornhecke', Butte Kugelförmiges').

 

 

 

 

[1] Meyers Konv-Lex. 14,1008 "Wahrscheinlich aber stammt er aus den östlichen Karpaten, aus Ungarn und Siebenbürgen."

[2] Dieses liliac kommt also nicht von türkisch leylak, persisch und arabisch lailak. Wie kurdisch leylank 'Lilie' zeigt, haben diese Wörter eine eigene Geschichte, die ebenso mit der Lilie verbunden ist.

[3] Grimm Wb 31,1578 f

[4] Vasmer, Russisches Et. Wb. 2,628

 

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Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 28.03.2006 | Begriffe Blumen | Farben

 

Datum: 26.10.2010

Aktuell: 09.02.2019