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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Glück mit Pech

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wenn sie Pech hatten, waren Schuster und Seemann glücklich. Das müssen komische Käuze gewesen sein, wenn sie sich über Unglück freuten. Nein, nicht über Unglück, sondern über die klebrige schwarze Masse, die man aus Harz gewann. Der Schiffer dichtete damit die Ritzen zwischen den Planken seines Schiffes ab. Der Schuhmacher rieb mit dem Pech den Schusterdraht ein, der aus mehreren Fäden "gedreht" war. Damit nähte er die Lederteile zusammen. Das Pech macht Faden und Naht haltbar und stabilisiert die Löcher.

Pech kommt von lateinisch pix. Im Althochdeutschen waren Pech und Harz dasselbe. Harz scheint also das südgermanische Wort gewesen zu sein für das was die Nordseegermanen terwa (altenglisch teoru) nannten. Erst um 1500 wurde in Süddeutschland der Teer bekannt, als Dichtungsmittel für die Schiffsplanken. Heute unterscheiden wir das natürliche Harz von dem durch Destillation gewonnenen Teer, welcher nicht klar gegen Pech abzugrenzen ist.

Pech ist auch ein Bild für Missgeschick. Das ist wie wenn man in dieser zähflüssigen Masse stecken bleibt und nicht vorwärts kommt oder geradezu mit Teer übergossen wird wie die Pechmarie im Märchen. Solche Menschen nennt man Pechvögel. Dieser Ausdruck ist weiterentwickelt aus Unglücksvogel, Unglücksrabe. Die Bedeutung 'Unglück' von Pech ist bei Marie und Vogel schon vorausgesetzt.

Das war das Pech. Aber was ist Glück? Das kann man unter zwei Gesichtspunkten betrachten: dem äußeren, dass etwas gelingt und zu unserm Vorteil ausschlägt, und dem inneren, dass wir zufrieden sind und uns wohlfühlen. Den inneren Zustand hat man früher Seligkeit genannt, den äußeren Heil. Beide Wörter haben als religiöse Begriffe eine andere Bedeutung bekommen: 'Wohlbefinden im Jenseits' und 'Erlösung'. Auch die Medizin hat sich des Heils bemächtigt (heilen) und durch den Hitlergruß ist dieses Wort etwas anrüchig geworden. Ein ebenfalls kirchliches Konkurrenzwort ist Segen, eigentlich die Segenshandlung mit dem Kreuzzeichen (lateinisch signare 'mit einem Zeichen versehen'), heute meist verstanden als das Gute, das von Gott kommt.

Das weltliche Glück (mittelhochdeutsch ge-lücke) haben wir im 12. Jahrhundert bei den Skandinaviern kennengelernt. Das dortige lykka bedeutet 'schließen, beenden', daher 'zu einem guten Ende bringen' und 'guter Erfolg, Glück'.

Das Gegenteil vom Pechvogel ist der Glückspilz. So nannte man einen Glücksritter, einen Emporkömmling ohne Bildung und einflussreiche Familie, der wie ein Pilz sozusagen aus dem Nichts aufschoss. Dieses Wort erlangte im 19. Jahrhundert eine neue Wertung, als nicht nur die Herkunft, sondern auch die Persönlichkeit Bedeutung bekam.

 

 

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Echo Online

Begriffe Glück | Sprachecke  05.01.2016

 

Datum: 30.11.2010

Aktuell: 09.02.2019