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Heinrich Tischner

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Weihnachtsbäckerei

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Spekulatius

Printen

Brenten

Springerle

Makronen

 

Jetzt ist es Zeit Plätzchen zu backen. Es lohnt sich, nicht nur über Backrezepte, sondern auch über die Namen dieser kleinen Kostbarkeiten nachzudenken:

Zum Beispiel der Spekulatius, niederländisch speculatie ("s-pekülâsie"), kurz speculaas. Was man bei uns als Spekulatius fertig kaufen kann, sind mit Reliefs verzierte Kekse. In anderen Gegenden scheint das ein allgemeiner Ausdruck zu sein für das, was wir 'Plätzchen' nennen. Es gibt speculaas auch als Lebkuchen, gefüllt oder in Laibform, in Holland nur zum Nikolaustag, in Belgien das ganze Jahr über. Was ist das Wesen dieses Gebäcks? Das Rezept? Die Form? Der Anlass?
Werfen wir einen Blick in die Geschichte: 1749 wurden die Bäcker angewiesen, das Pfund speculatie nicht zu teuer zu verkaufen. Der Preis wurde also nicht nach Anzahl, sondern nach Gewicht berechnet. Speculatie entspricht unserm Spekulation und kann im Niederländischen auch 'Betrachtung' bedeuten. Es waren Kekse, die man betrachten konnte, also schon damals mit aufgeprägten Figuren. Dieser Name wurde in den rheinischen Dialekten als Spekulats, Mehrzahl Spekulatses übernommen, daraus entstand vor 1905 unser lateinisch klingendes Spekulatius.

Auch die Aachener Printen (Lebkuchenteig), die Frankfurter Brenten (Marzipan) und die schwäbischen Springerle (Anisgebäck) zeigen Reliefs. Das ist schon am Namen der Printen und Brenten zu erkennen, der von altdeutsch printen oder prenten 'prägen, drucken' kommt. Sie werden mit Modeln ("Môdeln") modelliert, hölzernen Schablonen, in die die Bilder eingeschnitzt sind. Dieses Wort kommt von lateinisch módulus 'Mäßchen, Maßstab', mittelhochdeutsch model 'Maß, Form, Vorbild, Modell'.
Sprachecke 09.06.2015

Mit Modeln werden auch die schwäbischen Springerle (schweizerisch Änisbrötli) geformt. Sie haben die Besonderheit, dass ihnen beim Backen ein "Füßle" entsteht, wenn der Teig sich im Ofen ausdehnt. Diesen Vorgang nennt man "springen".

Makronen, französisch macarons, ein Gebäck auf der Basis von Eischnee, sind die Schwestern der italienischen Makkaroni. Nach einer Beschreibung von 1625 waren Makkaroni "eine Art Teigspeise, in Brühe gekocht", eher Teigklümpchen als geformte Nudeln. Das Rezept war nicht viel anders als bei der spätantiken makaría, die als 'eine Speise aus Brühe und Gerstengraupen' beschrieben wird. Im alten Italien war maccus 'Bohnenbrei', heute weiterentwickelt zu Polenta oder Kuchen. So hat man auch die Makkaroni verfeinert zu Rohrnudeln und die französischen Makronen zu süßem Gebäck. Die Rezepte wurden verändert, die Namen beibehalten.

 

 

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Echo Online

Begriffe: Kleingebäck

 

Datum: 14.12.2010

Aktuell: 09.02.2019