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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Information

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Information dürfte doch nicht so schwer sein. Man braucht nur den Mund aufzumachen und zu reden oder etwas aufzuschreiben und weiterzugeben. Und trotzdem sind dabei viele Hürden zu überwinden: Es wird nicht alles gesagt, was die anderen wissen müssen. Der Informant setzt zu viel als bekannt voraus. Er spricht undeutlich oder sagt nicht klar, was er will. Manchmal kommt die Nachricht aus technischen Gründen nicht an, weil die Adresse nicht mehr stimmt, der Empfänger verreist oder das Handy kaputt ist. Deshalb machen sich Wissenschaftler Gedanken darüber, wie Information wirksamer gestaltet werden kann. Was ist mit diesem Fremdwort gemeint?

Lateinisch in-formare bedeutete allgemein 'formen, bilden, gestalten', sodann 'sich ein inneres Bild machen, sich etwas vorstellen und darüber reden' und 'einen Menschen pädagogisch bilden, unterrichten'. Wir verstehen heute Information allgemein als 'Weitergabe von Gedankeninhalten'. Als Fachwort ist dieses Ausdruck unverzichtbar. Er wird von Wissenschaft und Technik in unterschiedlicher Weise gebraucht, sodass ein Außenstehender kaum erkennen kann, was im Einzelfall genau gemeint ist.

In der Alltagssprache sind die Modewörter Information, informieren entbehrlich, weil wir genug deutsche Wörter dafür haben, deren Benennungsmotive aber nicht immer leicht zu verstehen sind: Berichten, Nachricht, unterrichten sind Ableitungen von richten, das im Althochdeutschen eine viel weitere Bedeutung hatte als heute: 'gerade machen, zubereiten' und 'durch Worte regeln', auch 'in Kenntnis setzen'. Die Vorsilben be- drückt aus, dass dieser Vorgang zu Ende gebracht wird, also nicht endlos weitergeht, und dass er vollständig durchgeführt wird. Das Verbum nachrichten war 'nachbessern' und 'die Kenntnisse aktualisieren'. Unterricht deutete an, dass der Lehrer von einem erhöhten Platz aus "hinunter" dozierte: Von oben aus reicht die Stimme weiter.

Auskunft war ursprünglich ein 'Ausweg', wie man aus einer Verlegenheit wieder herauskommt. Da man das nicht selbst weiß, muss man um Rat fragen und um Auskunft bitten.

Ein Bescheid ist die Mitteilung einer Behörde, zum Beispiel der Steuerbescheid, dessen Nachforderungen manchmal gar nicht bescheiden, sondern unverschämt wirken, besonders wenn ein Antrag auf Steuerermäßigung "abschlägig beschieden" und abgelehnt wird. Auch hier drückt be- das Ende einer Handlung aus. Es wird nicht mehr lange diskutiert, eine Entscheidung gefällt und das Ergebnis mitgeteilt. Die Entscheidung kann auch die Vergütung betreffen, die jemand für seine Tätigkeit bekommt. Ihm wurde eine bestimmte Summe bescheiden (so im älteren Deutsch). Wenn er sich damit zufrieden gibt, ist er bescheiden.

 

 

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Echo Online | Koepernik: Die Macht der Information

Begriffe: Information

 

Datum: 15.02.2010

Aktuell: 09.02.2019