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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Gestatten: Kobold

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Geister gibt's nicht. Vor denen brauchen sich Kinder nicht zu fürchten. Und Hausgeister (Kobolde) gibt's auch nicht", so lautet die gängige Lehrmeinung. Was die Gespenster betrifft, mag sie Recht haben. Aber Kobolde gibt's heute noch. "Was? Jetzt hör mir aber auf! Wie kannst du so was behaupten?"

Ich war selbst überrascht: Der älteste Beleg für dieses Wort ist der Familienname Kobold (1135), den es heute noch gibt. Erst hundert Jahre später ist Kobold im heutigen Sinn bezeugt, aber nicht als Geist, sondern als Figur aus Holz oder Wachs. Ein Schreiber beklagt sich über den Adel, der zu Missständen schweigt wie die stummen Kobolde; ein hölzerner Bischof sei ihm lieber als diese sprachlosen Herren. An einer anderen Stelle ist davon die Rede, dass sich ein Kobold in einer Büchse befand, in einem kleinen Behälter. Es kann also nur eine kleine Statue gewesen sein. Wen sie darstellte und wozu man sie brauchte, ist nicht überliefert.

Nach späteren Belegen war der Kobold ein Geist, der im Haus wohnte, den Bewohnern half, sie neckte oder auch mal Schaden zufügte, unberechenbar, aber nicht bösartig. Man kann also vermuten, dass das Figürchen den Hausgeist darstellte. Die Römer erwiesen ihren Laren (Hausgeistern) und Penaten (Ahnengeistern) göttliche Verehrung und hatten für sie einen Hausaltar mit kleinen Bildnissen. Schon die jungsteinzeitlichen Bandkeramiker hatten vor 7000 Jahren kleine Statuen in ihren Häusern aufgestellt.

Man hat versucht, Kobold mit griechisch kóbalos 'berufsmäßiger Clown' zu erklären. Die Kobolde waren zwar manchmal zu Späßen aufgelegt, aber keine Clowns. Man hat auch versucht, den Namen zu erklären aus Koben und walten als 'Herr des Kobens'. Mittelhochdeutsch kobo war aber nicht das Haus, sondern der Schweinestall, und -bold 'kühn' ist nicht -walt.

Weiter führt uns die französische Entsprechung gobelin. Auch das ist ein Familienname. So hieß eine französische Firma, die Wandteppiche mit Bildern herstellte, daher Gobelin 'Wandteppich'. Gobel-in ist Verkleinerung des Vornamens Godebold, der in deutschen Familiennamen als Göbel und Goppelt, Koppelt erhalten ist. K war die oberdeutsche Schreibung für das harte G. Da sind wir fast schon bei Kobold: Die Figur trug also einen menschlichen Vornamen, ähnlich wie der Heinzelmann (zu Heinz von Heinrich) und der Götze (zu Gottfried), ursprünglich eine Heiligenfigur.

Das englische goblin stammt aus dem Französischen. Die Erweiterung hobgoblin enthält den kindlichen Lallnamen Hob für Rob und erinnert an den Kobold Robin Goodfellow aus Shakespeares "Sommernachtstraum". Rob-in kommt von Robert und hat dieselbe Anfügung -in.

 

 

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Begriffe: Geister | Fragen: Atzmann

 

Datum: 22.02.2011

Aktuell: 09.02.2019