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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Wruken und Rummeln

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Leserbrief

Käihl

Kern

 

Wruken und Rummeln werden sich kaum begegnen, denn Wruken wachsen in Mecklenburg und Rummeln in Hessen und Rheinland-Pfalz.

Die Wruken[1] heißen in Südhessen Erd-, Unter-Kohlraben oder Erdrüben und sind allgemein als Steckrüben bekannt. Im berüchtigten Steckrübenwinter 1916/17 gab es kaum etwas anderes zu essen. Bei uns sprach man vom Kohlrabenwinter. Der Name Wruke war als Bruke auch in Ostpreußen gebräuchlich. Ähnliche Namen gibt es in den slawischen Sprachen. Damit verwandt ist Möhre[2], indogermanisch mr̟kús, während Wruke auf vr̟kús zurückgeht.

Rummel ist ein andrer Name der Runkelrübe[3], südhessisch Dickwurz oder Wurzel. Sie ist eine Züchtung der Neuzeit. In der mittelalterlichen Dreifelderwirtschaft baute man abwechselnd Sommer- und Wintergetreide an und ließ den Boden im dritten Jahr brach liegen. Mit den Hackfrüchten (Rüben, später auch Kartoffeln) gab es eine weitere Fruchtfolge für Nahrungsmittel oder Viehfutter. Dies wurde nötig, weil das Vieh nicht mehr auf die Weide getrieben, sondern im Stall gehalten wurde.

Rummel scheint weiterentwickelt aus mittelhochdeutsch rumbe 'Rübe' und ist damit verwandt mit Rumpf 'Leib ohne Glieder'. Das indogermanische rumb- bedeutete 'kürzer machen', um ein längeres Stück auf die gewünschte Größe zu bringen. Rübe ist dasselbe wie rumbe, nur ohne m. Vergleichbar ist lateinisch rumpere 'brechen', ruptus 'gebrochen' (dazu korrumpieren 'bestechen', korrupt 'bestechlich'). Die genaue Entsprechung von Rübe ist im Lateinischen rapa. Das italienische cauliravi wurde eingedeutscht als Kohlrabi und richtig übersetzt als Kohlrüben: Es handelt sich um eine Kohlpflanze, die rübenartige Knollen bildet.[4]

Runkelrübe ist weitläufig mit Rummel verwandt und eine andere Weiterbildung des Grundwortes run- 'kürzer machen', daraus das obige rumb- sowie runk-. Runkós oder srunkós war 'abgeschnitten'. Da zwischen s und r ein t gesprochen wurde, bekamen wir den deutschen Strunk 'Krautstängel ohne Blätter'. Die Römer haben das s wieder aufgegeben, behielten aber das t, daher truncus 'Rumpf'. Die Runkelrübe und ihr Name sind noch keine 400 Jahre alt. Voraus geht Runken, hessisch Ranken 'ein dickes Stück Brot'. Dickwurz ist also die genaue Entsprechung zu Runkelrübe.

Dieses Gewächs ist in England als mangel-wurzel bekannt, eigentlich Mangold. Heute verstehen wir unter Mangold eine Kulturform der Rübe, von der man die Stiele und Blätter isst.[5] Ursprünglich war das der deutsche Name der Pflanze überhaupt. Wie bei der Alraune sah man in der Wurzel der Wildform eine menschliche Gestalt und gab ihr den Vornamen Managold.

 

botanische Namen:
[1] Steckrübe: Brassica napus subsp. rapifera (Web)

[2] Möhre, Karotte: Daucus carota subsp. sativus (Web)

[3] Runkelrübe: Beta vulgaris subsp. vulgaris var. crassa bzw. var. alba (Web)

[4] Kohlrabi: Brassica oleracea var. gongylodes L. (Web)

[5] Mangold: Beta vulgaris subsp. vulgaris var. vulgaris (Web)

 

 

 

 

Leserbrief

Heute möchte ich einen Beitrag leisten, dass nicht alles aus dem Odenwald verloren geht. Bei uns im Odenwald sagt man zur Runkelrübe in einigen Orten Rummelse oder Keil (gesprochen e:i ). Wenn im Frühjahr die jungen Triebe vereinzelt wurden, sprach man aber im gesamten Odenwald Keern hacken.

 

meine Antwort

Käihl ist hochdeutsch Kohl (wie Rotkraut, Weißkraut, Rosenkohl, Wirsing, Kohlrabi, Steckrüben). Man hat dieses Wort übertragen auf den Mangold, von dem man ja auch die Blätter ist, und die Runkelrübe, die einer anderen Pflanzenart angehören (dazu auch die Rote Rübe). Gemeint waren ursprünglich die jungen Pflanzen, bei denen man noch nicht so genau die Sorte erkennen kann.

Kern (Keern, Kärn) sind eigentlich die Samen, Da man Keern sät, kann man sie nach dem Aufgehen auch hacken. Keern ist also die Vorstufe von Käihl und dies die Vorstufe der ausgewachsenen Worzel.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 12.04.2010

Aktuell: 09.02.2019