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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Geheimniskrämer

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Krämer rufen auf dem Markt lauthals ihre Waren aus. Mit etwas Glück können sie von ihrem Handel leben oder sogar reich werden. Geheimniskrämer preisen ihre Geheimnisse an, aber sie rücken damit nicht heraus. Ganz im Unterschied zu Spionen und Datendieben, die mit illegal erworbenen Informationen eine Menge Geld verdienen.

Geheim ist erst seit dem 15. Jahrhundert gebräuchlich. Nicht dass vorher jeder von jedem alles wusste, sondern man sprach von heimlich, Heimlichkeit. Diese Wörter bedeuteten ursprünglich 'zum Heim gehörig, zutraulich, vertraulich', etwas, was daheim in den eigenen vier Wänden eingeschlossen ist und Außenstehende nichts angeht. Heute unterscheiden wir zwischen geheimem Wissen und heimlichem Tun. Der Zauberkünstler verrät seine geheimen Tricks nicht und der Einbrecher kündigt seinen heimlichen Besuch nicht an.

Es gibt Geheimnisse, deren Verrat unter Strafe steht, besonders, wenn es um die innere und äußere Sicherheit geht. Die dafür zuständigen Geheimdienste arbeiten heimlich und halten geheim, was sie tun und wer dazugehört.
Hinter dem englischen Namen dieser Organisationen, Secret Service, steckt ein anderer Gedanke: Lateinisch secrêtus ist 'abgesondert, getrennt'. Bei einem Heim weiß man, wo es ist und wer darin wohnt. Der Geheimdienst hält sich versteckt, spioniert von einem Schlupfwinkel aus und gibt seine Informationen unauffällig weiter.

Ein früherer Geheimrat brauchte sich vor niemand zu verstecken. Er beriet den Herrscher in seinen Privatgemächern, wo auch der Geheimschreiber (Sekretär) tätig war, der dessen Post erledigte und das Siegel benutzen durfte, das streng unter Verschluss lag. Geheim bedeutet also hier 'privat'.

Manche Geheimnisse sind gar nicht geheim. Die Lehren der großen Religionen sind jedermann zugänglich. Und trotzdem gibt es Geheimnisse des Glaubens. Das sind tiefe Wahrheiten, die schwer zu ergründen sind. Sie sind ein Mysterium. Das ist wie bei Fachleuten, die sich auf ihrem Spezialgebiet gründlich auskennen. Für den Laien, der nur oberflächliche Kenntnisse hat, ist das alles mysteriös. Genauso geheimnisvoll ist für viele Menschen die Mystik, jener meditative Glaube, der hilft sich "ins Meer der Liebe zu versenken".
Diese Fremdwörter aus dem Griechischen sind abgeleitet von mýein 'Mund und Augen verschließen', um sich nicht ablenken zu lassen. Im Altertum gab es Geheimreligionen, über die nur Eingeweihte Bescheid wissen durften. Sie mussten den Mund halten (mýein) und durften nichts weitersagen. Die frühen Christen haben sich entschlossen, von ihren Glaubenserfahrungen zu reden. So bekam Mysterium seine heutige Bedeutung: ein Geheimnis, das sich dem Suchenden erschließt.

 

 

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Echo Online

Sprachecke 21.11.2017

 

Datum: 02.08.2011

Aktuell: 09.02.2019