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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Allerheiligen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Namhafte Heilige haben ihre Gedenktage: Elisabeth von Thüringen am 19.11., Petrus und Paulus am 29. Juni. Diese Termine bezeichnen meist den Todestag, ursprünglich der Opfer von Christenverfolgungen. Martin von Tours (11.11.) soll der erste Heilige gewesen sein, der eines natürlichen Todes starb (397). Nicht alle Märtyrer sind namentlich bekannt. Und viele, die den Titel Heilige verdient hätten, haben bescheiden im Hintergrund gewirkt. Damit auch sie zu ihrem Recht kommen, feiert die katholische Kirche seit 835 am 1. November Allerheiligen. Die evangelische Kirche erweist keinen Menschen außer Jesus religiöse Ehren und feiert diesen Tag nicht.

Auf Bildern tragen Heilige einen Strahlenkranz, den Heiligenschein, das gemalte "Sankt", ihr graphisches Erkennungszeichen. Außer dem Strahlenkranz haben sie noch eine päpstliche Bescheinigung, dass sie heilig sind. Scheinheilige sind etwas anderes, die haben keine Urkunde, sondern tun nur so, als ob sie heilig, fromm oder harmlos wären.

Heilig kommt von heil 'unversehrt, ganz, vollkommen, gesund'. Heilen ist 'gesundmachen'. Jesus trägt den Ehrentitel Heiland, eigentlich 'heilend', nicht nur weil er Kranke gesund gemacht hat - das kann jeder Arzt -, sondern weil sich die Gläubigen von ihm das Heil versprechen: reines Gewissen, unverletzte Seele und ewige Seligkeit.

Im katholischen Sprachgebrauch ist selig die Vorstufe von heilig. So nennt man Verstorbene, die nicht ganz den strengen Anforderungen von "heilig" genügen. Selig wird normalerweise im Sinn von 'glücklich' gebraucht, ist verwandt mit lateinisch salus 'Heil' (französisch salut 'Heil, Gruß') und erinnert an den arabischen Gruß "salem aleikum", Friede sei mit euch, der unserm Wunsch "alles Gute" entspricht.

Die Römer hatten zwei verwandte Vokabeln für 'heilig': sacer und sanctus, bekannt aus Fremdwörtern wie Sakrament 'heilige Handlung' und Sankt vor Heiligennamen. Sacer bedeutet nicht nur 'heilig', sondern auch 'verflucht', und eine Sanktion ist etwas ganz Unheiliges, eine Strafandrohung. Wie kommt es zu diesen gegensätzlichen Bedeutungen? Weil nicht 'gut, vollkommen' gemeint war, sondern 'abgeschnitten, abgesondert' (zu secare 'schneiden', deutsch sägen): Heilige Gegenstände wie den Altar oder den Abendmahlskelch darf man nicht einfach anfassen, für den Besuch eines Gotteshauses gelten besondere Verhaltensregeln. Eine heilige Schrift will ehrfürchtig behandelt sein. Das Heilige vom Alltäglichen abgesondert, wie die römischen Verfluchten, mit denen man keinen Umgang hatte, und wie Länder, die mit einer Sanktion belegt sind und mit denen man keinen Handel treibt.

 

 

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Echo Online

Begriffe: heilig | Sprachecke 01.11.2011 |  25.04.2017

 

Datum: 02.11.2011

Aktuell: 09.02.2019