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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Das Echo

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Andere Kinder benutzen die Zeitung, um Schiffchen zu falten. Ich habe mit ihr meine ersten Leseversuche gemacht: "Mama, was heißt denn das?" - "Darmstädter Echo" - nach einer Weile: "Guck, hier steht "der" und da "er".

Das war 1948. Das große E hatte noch einen zweiten senkrechten Strich und über den Leserbriefen stand das Sprichwort "Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede. Drum soll man billig hören beede" (alt für beide). Inzwischen hat sich das Aussehen unsrer Zeitung verändert und heute erscheint sie mit einem neuen Layout.
Englisch to lay ist unser deutsches legen, to lay out unser auslegen, gemeint ist 'zum Betrachten herauslegen'. Das Layout einer Zeitung ist ihr genormtes Erscheinungsbild mit Titel, Schriftart, Rubriken, Anordnung der Seiten und Bilder und allem, was dazugehört.

Zeitung, vor 1300 am Niederrhein zîdung, hat zunächst 'Nachricht, Kunde' bedeutet, später 'Flugblatt' und schließlich 'Nachrichtenblatt'. Das altenglische tídung 'Ereignis, Nachricht' ist abgeleitet von tídan 'sich ereignen'.
Zeitungsnamen wie Umschau oder Rundschau deuten an, dass sie einen Überblick geben wollen über das, was in der Welt geschieht. Der Leser war ja nicht selbst dabei, er erfährt davon durch die Zeitung, er sieht nur das Spiegelbild und hört nur das Echo von dem, was passiert ist. Dies kommt in den Namen Spiegel und Echo zum Ausdruck.

Schon bei den Griechen konnte êcho 'Schall' auch 'Nachricht, Zeitung' bedeuten: Pindar (um 500) besingt einen Olympiasieger und bittet Echo, den Schall, dem Vater im Totenreich "Zeitung" darüber zu bringen.[1] Für Echo gab es damals nur eine Möglichkeit: die Botschaft persönlich zu übermitteln. Den Widerhall schrieb man in der Antike einer Nymphe Echo zu, die nicht selbständig sprechen, sondern nur nachplappern konnte, was andere sagten.
Das griechische Wort gelangte im 16. Jahrhundert übers Lateinische ins Deutsche. Vorher hatte man andere Vokabeln: althochdeutsch galm 'das Gellen, Schall, Echo'', mittelhochdeutsch wider-galm, niederländisch na-galm 'das Nachgellen'. Auch das heutige Widerhall gab es schon im Mittelhochdeutschen.

Von den Römern stammt unser Fremdwort Resonanz: Resonare war 'widerhallen', resonantia das 'Echo'. Resonanz im technischen Sinn ist, wenn das Holz der Geige durch die Saite zum Schwingen angeregt wird und damit den Ton verstärkt. Sonst verstehen wir unter diesem Wort die menschlichen Reaktionen auf ein Geschehen oder eine Äußerung. Bei der Zeitung sind das zum Beispiel die Leserbriefe. Auch die Sprachecke erfährt Resonanz durch viele anerkennende, kritische und anregende Zuschriften, für die ich herzlich danke.

 

[1] Pindar, Asopichos dem Knaben aus Orchomenos, dem Wettläufer (Olympien 41. Dichtung der Antike von Homer bis Nonnos, S. 9331, http://www.digitale-bibliothek.de/band30.htm), griech. Text

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Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 07.07.2015

 

Datum: 06.12.2011

Aktuell: 09.02.2019