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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Feiertage

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Feiertage sind arbeitsfreie hohe Zeiten mit einem festen Termin, Veranstaltungen und fröhlichen Zusammenkünften.

Für uns heute ist wichtig, dass wir an den Feiertagen nicht arbeiten müssen. Sie und der Sonntag sind laut Grundgesetz § 139 "Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung". Der ursprüngliche Sinn war ein anderer: An diesen Tagen traf man sich zu einer familiären oder öffentlichen Veranstaltung wie Vermählung, Gottesdienst, Militärparade, Festmahl, Wettkämpfen, Kulturprogramm.

Fest und Feier sind Fremdwörter aus dem Lateinischen, die einen gemeinsamen Ursprung haben: In fêriae (alt fêsiae) 'geschäftsfreie Tage' steckt indogermanisch dhehs- 'heilig'. Feriae wurde im Deutschen schon vor 800 als fîra 'Feier' übernommen, festum ergab im 13. Jahrhundert unser Fest, das dem alten deutschen Adjektiv fest 'haltbar' in die Quere kommt. Heute verstehen wir unter Fest den Termin, unter Feier die Veranstaltung: Das Geburtstagsfest hat einen "festen" Platz im Kalender, gefeiert wird im Familienkreis mit Kaffee und Kuchen.

Die französische Schwester des Festes ist fête ("fäät"). Das "Dach" über dem e deutet an, dass das s ausgefallen und der Vokal gedehnt ist. Eine Fete ("Feete") ist eine zwanglose private Feier. Früher sagte man "Wir geben eine Gesellschaft", mit geladenen Gästen und förmlich.

Party ist ein neueres Fremdwort aus dem Englischen. Es stammt wie unser Partei (13. Jahrhundert) und Partie (17. Jahrhundert) aus altfranzösisch partie 'Teil, Teilung, Teilnahme', später auch 'Gruppe'.

Wie hat man vor 1200 zu dem gesagt, was wir heute Fest nennen? Das Nibelungenlied, um diese Zeit entstanden, kündigt an: "Von fröuden, hôchgezîten", Freuden und Hochgezeiten (auch von drei Vermählungsfeiern), Trauer und Kampf soll berichtet werden. Hochgezeit, Hochzeit hatte damals noch die allgemeine Bedeutung 'Fest'.

Eine andere alte Vokabel ist bairisch Dult 'Kirchenfest, Jahrmarkt', ein Wort der gotischen Mission. In der gotischen Bibel steht dulths für das jüdische Passa und Laubhüttenfest. Dult scheint verwandt zu sein mit dem hessischen Dalles 'Treffpunkt' und dalen 'miteinander reden'. Denn Feste sind Gelegenheiten, mit Leuten zusammenzukommen und zu "dalen".

'Weihnachten' heißt in Skandinavien Jul, in Island Jól. Die Finnen haben diesen Namen als joulu 'Weihnachten' übernommen. Das finnische juhla ist wohl das altgermanische Wort mit der ursprünglichen Bedeutung 'Fest'. Das zugrundeliegende johlen 'grölen' ist heute verächtlich gemeint. Netter klingt niederländisch jolig, altfranzösisch jolif 'fröhlich' (französisch joli 'hübsch, nett').

 

 

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Echo Online

Begriffe: Feiertage

 

Datum: 27.12.2011

Aktuell: 09.02.2019