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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die vier Bausteine

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die vier Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde waren nach Meinung der Alten die Grundbausteine der Welt.

Feuriges Wasser habe ich eben auf das erdige Kaffeepulver gegossen. Das sprudelnde Wasser entließ Gasblasen. Das Ergebnis ist erdiges Wasser ohne Luft, das sich langsam wieder abkühlt, also sein Feuer verliert. Das Beispiel zeigt, dass man die Welt auch auf diese Weise erklären kann, so richtig oder falsch wie andere Erklärungen: Bei der Zubereitung des Türkentranks haben alle vier Elemente eine Rolle gespielt.

Feuer Web und Wasser Web, im Kaffee friedlich vereint, sind normalerweise unversöhnliche Gegensätze. Dass sie trotzdem zusammengehören, wussten schon die Indogermanen. Denn die beiden Wörter sind Neutrum und haben eine besondere Endung: Der alte Nominativ war péhw-or, wód-or, Genitiv phu-nés, ud-nés. Im Nominativ erkennen wir leicht unser Feuer und Wasser wieder. Die Genitivformen mit n sehen ganz anders aus, leiten aber über zu Funke 'Feuerchen' und Odenwald 'Wasserwald' Web.

Das Wort Erde, althochdeutsch era und erda Web, scheint mit dem Ackerbau aufgekommen zu sein, denn das alte Wort für pflügen, germanisch arjan, ist ähnlich gebildet. Das sehen wir auch beim Vergleich von lateinisch arvum 'Ackerland' und keltisch ervis 'Feld, Furche', das eine mit a wie beim Wort für 'pflügen', das andere mit e wie bei Erde. Web
Das deutsche Wort bezeichnet unsern Planeten und die Ackerkrume, den Boden unter unsern Füßen und unsern Lebensraum. Abgeleitete Wörter zeigen weitere Nuancen: irdisch 'zur Erde gehörig, nicht zum Himmel oder zu anderen Planeten' und 'vergänglich, nicht ewig'; irden 'aus Keramik'; erdig 'wie Erde'; erden 'eine elektrische Leitung mit dem Erdboden verbinden'. Es gibt zwar viele Monde, aber nur eine Erde. Der Plural die Erden bezeichnet bestimmte Mineralien, die im Erdboden vorkommen.

Die Luft haben die germanischen Sprachen ganz für sich. Germanisch luftus war 'was über uns ist', abgeleitet von einem Verb leupan 'oben sein'. Schwäbisch lupfen 'hochheben' ist eine Weiterbildung aus diesem Grundwort. Web
Die meisten anderen europäischen Sprachen haben Weiterbildungen aus lateinisch âêr, das selbst aus dem Griechischen stammt.
Web Es gehört zu aeírein 'hochheben', met-éôros 'in der Höhe' (daher Meteor 'Sternschnuppe') Web. Luftus ist dem griechischen Wort genauso nachempfunden wie das russische vóz-duch, eigentlich 'der obere Hauch' Web, wohl zur Unterscheidung vom einfachen duch 'Hauch, Atem, Geist'. Unter Luft verstand man also nicht eine Art Gas, das uns im Wind um die Nase weht, sondern den Raum über der Erde. Heute würden wir sagen: die Atmosphäre.

 

 

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Echo Online | Begriffe: Elemente

Sprachecke  31.07 2012 | 14.08.2012 | 21.08.2012

 

Datum: 07.08.2012

Aktuell: 24.09.2019