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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Heilige Orte

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Leserbrief:

# Tempel und Schrein in Japan

 

Bei Heiligtum denken wir an Tempel, Moscheen, Synagogen oder Kirchen, wo die Gläubigen meditieren, beten oder opfern.

Ursprünglich hat man die Gottheit nicht in einem Gebäude verehrt, aber auch nicht allgemein in der Natur, sondern an besonders gekennzeichneten Plätzen. Als Markierung diente manchmal ein Hinkelstein Web, der zugleich als Heiligtum galt. Die Germanen und die Kelten hatten solche Plätze, die abgesperrt waren und die man entweder gar nicht oder nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen betreten durfte.

Auch die antiken Tempel gehen auf abgegrenzte Flächen zurück, wie griechisch témenos 'Tempel' zeigt, das zu témnein 'schneiden' gehört, ebenso das lateinische templum (aus tem-lom), von dem unser Tempel 'nichtchristliches Gotteshaus' kommt. Web

Schon früh hat man geglaubt, dass an dem heiligen Platz ein Gott wohnt. Das zeigt der biblische Name Bethel 'Haus Gottes', eine Stelle, an der Erzvater Jakob eine Vision hatte[1]. Er weihte den Ort und markierte ihn mit einem Hinkelstein. Ein ähnliches phönikisches Fremdwort im Griechischen, baitylos, bezeichnete einen heiligen Stein. Die einzelnen Vorstellungen lassen sich schlecht gegeneinander abgrenzen. Web

Später glaubte man, dem Geist dieses Ortes ein Haus bauen zu müssen, auch in Bethel. Damit begann die Ära der Gotteshäuser. Sie tragen, je nach Gegend und Religion unterschiedliche Namen:

Echte Tempel gibt es noch in Indien, dort unter anderem dev-âlaya 'Gotteswohnung' genannt. Das ostasiatische Heiligtum heißt Pagode, eigentlich Name einer indischen Göttin (altindisch Bhagavatî 'die Heilige'). Web Zum japanischen Tempel sagen wir Schrein, so nannte man den mittelalterlichen Reliquienbehälter. Das deutsche Wort bedeutet 'Behälter, Schränkchen', das englische shrine 'Heiligengrab, heilige Stätte'. Web Die Übernahme des englischen Wortes für den japanischen Tempel schafft Verwirrung.

Die heiligen Stätten der monotheistischen Religionen sind keine Gotteshäuser, sondern Versammlungshäuser. Das drücken schon die Namen aus: Hebräisch bêt knässät Web 'Versammlungshaus' (griechisch synagôgé 'Zusammenkuft' Web); griechisch ekklêsía 'Versammlung, Gemeinde, Kirche' Web.

In der Synagoge wird auch gelehrt, gelernt und studiert, daher jiddisch Schul. Die islamische Moschee, entstellt aus arabisch masdschid 'Niederwerfung, Anbetung' Web, ist ein 'Bethaus'. Kirche kommt von griechisch kyri(a)kê '(Haus) des Herrn (Christus)', auch '(Tag) des Herrn, Sonntag'. Web

Die Araber haben offenbar die Kirche als 'Sonntagshaus' angesehen und im Kontrast dazu ihr Gotteshaus Freitagsmoschee genannt, arabisch masdschid al-dschuma'[2], kurz dschâmi'[3], zu jaum al-dschuma'a 'Tag der Versammlung, Freitag'. Web

 

   


Leserbrief:

Ein japanischer Schrein ist eine Kultstätte des Schintoismus, der Ort der Ahnen- und Naturverehrung. Der Schintoismus ist in Japan sehr verbreitet, wie wir während unseres jahrelangen Japanaufenthaltes erfahren konnten.

Der japanische Tempel ist der Ort der Verehrung von Buddha, dem Stifter der großen Weltreligion Buddhismus. Die Mehrzahl der Japaner gehören dem Buddhismus an, besuchen aber auch an bestimmten Zeiten einen Schrein; Religion ist dort bei vielen Menschen "fließend".

 

Meine Antwort:

Mir ging es um etwas Anderes: Nach Duden ist Tempel ein "[geweihtes] Gebäude als Kultstätte einer nicht christlichen Glaubensgemeinschaft", also ein Oberbegriff. Die einzelnen Typen muss man je nach Religion und Architektur noch genauer bezeichnen. Von daher ist es angemessen, auch eine schintoistische Kultstätte so zu nennen.

   

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Echo Online

Begriffe: Heiliger Ort

 

Datum: 23.10.2012

Aktuell: 09.02.2019