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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Märchen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Märchen Web fesseln nicht nur Kinder, sondern ziehen auch Erwachsene in ihren Bann. Die ältesten wurden schon im Altertum erzählt.

Vor 200 Jahren, am 20.12.1812 [1], veröffentlichten Jacob und Wilhelm Grimm ihr erstes Märchenbuch.[2] Sie haben diese Texte nicht erfunden, sondern gesammelt. Es gab auch vorher Märchensammlungen wie Münchhausens Abenteuer (ab 1761),[3] ja solche Geschichten wurden schon im Altertum erzählt: "Eine junge Frau wird von ihrer Schwiegermutter schikaniert und muss zusammengeschüttete Samen sortieren." Web - "Der Pharao hat einen Damenschuh und sucht im ganzen Land nach der Besitzerin." Web Beides kennen wir aus "Aschenputtel". Web, Sprachecke 05.02.2013

Märchenmotive finden sich auch in der Bibel: "Ein gewitztes Bürschchen tötet einen gefährlichen Riesen und bekommt die Hand der Königstochter" - wie "das Tapfere Schneiderlein". In "David und Goliath" [4] sind Berichte über drei Krieger Davids zusammengeflossen [5], deren Taten man ihrem Anführer gutgeschrieben hat. Die bekannte und beliebte Geschichte wurde zur Vorlage für andere Beispielerzählungen von einem jungen Mann, der sich in der Welt der "Großen" bewährt und den künftigen Schwiegervater von seiner Tüchtigkeit überzeugt.

Wir unterscheiden zwischen der eigentlichen Erzählung ("Aschenputtel") und den darin verwendeten Motiven ("Samen sortieren", "der Schuh"). Nicht nur einzelne Bausteine, auch die Handlung selbst lässt sich manchmal weit in die Vergangenheit zurückverfolgen: "Dornröschen" ist schon um 1330 überliefert. Web, Sprachecke 30.04.2013 Aber jeder Erzähler hat seine Darstellung anders gestaltet, sogar die beiden Fassungen Grimms weichen von einander ab.

Damit sind wir bei der eigentlichen Leistung von Jacob und Wilhelm Grimm: Sie haben nicht nur gesammelt, sondern auch bearbeitet, vor allem die schwülstige Sprache älterer Autoren in eine verständliche Form gebracht, wie ein Vergleich zeigt: Musäus (gestorben 1787)[6]: "Dadurch erhielt er die Politur seines Gewissens so rein und unbefleckt, daß auch kein sündlicher Hauch daran haften konnte."[7] - Grimm (in einer anderen Geschichte): "und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein."[8] Diese klare Sprache ist auch heute noch vorbildlich und das Rezept dazu einfach: "Versuche es einem Kind zu erklären."

Erzählen war ursprünglich die Abendunterhaltung der Erwachsenen. Die meisten Märchen waren für sie gedacht und nicht immer für Kinderohren bestimmt. Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich das Bewusstsein, dass Kinder noch nicht alles hören dürfen. [9] Darum haben die Grimms die alten Geschichten zu "Haus- und Kindermärchen" umgeschrieben.

 

[4] David und Goliath, 1. Samuel 17. Zum historischen Hintergrund: Web

[8] Zeno, Die Wichtelmänner, 1. Märchen.
Der Held betete
Luthers Abendsegen, der die Worte enthält: "Denn ich befehle mich... in deine Hände.
"

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Sprachecke 23.02.2010 | 2013: 05.02 | 05.03. | 02.04. | 30.04. | 04.06. | 02.07. | 06.08.

 

Datum: 31.12.2012

Aktuell: 09.02.2019