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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sternsinger

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Am Anfang des Jahres gehen die katholischen Sternsinger von Haus zu Haus, tragen ihre Lieder vor und segnen die Wohnung. 

Dabei sammeln sie Spenden für einen guten Zweck. Zum Andenken schreiben sie mit Kreide an die Tür C+M+B, gerahmt von der Jahreszahl. Das sind die Anfangsbuchstaben der Namen der heiligen drei Könige Web: Caspar, Melchior, Balthasar und zugleich des lateinischen Segensspruches "Christus mansionem benedicat, Christus segne dieses Haus."[1]

Warum heißen sie Sternsinger? Sie spielen die heiligen drei Könige und sind gekleidet, wie man sich Leute aus dem Morgenland vorstellt. Eigentlich waren das keine Könige, sondern Magier, Angehörige eines iranischen Priesterstammes, die sich unter anderem mit Sterndeutung beschäftigten. Aus einer besonderen Himmelserscheinung schlossen sie, dass der König der Juden geboren sein müsste, nicht irgendeiner, sondern der zukünftige Erlöser. Sie brauchten nur ins Land der Juden zu gehen. Genauere Auskunft erhielten sie dort von den Bibelkundigen.

Als Erkennungszeichen führt der kleine Chor einen Stern auf der Stange mit sich. Deshalb heißen sie Sternsinger. Aber warum sagt man Singer und nicht Sänger?

Singer und Sänger sind konkurrierende Bezeichnungen für jemand, der singt, abgeleitet von den beiden Stammformen singe und sang. Web Mit der Vergangenheitsform werden oft Substantive gebildet (Gabe, Fuhre, Schrieb), also auch Sang, Gesang. Ein Singer singt, und ein Sänger widmet sich dem Gesang. Beide Ausdrücke waren im Mittelhochdeutschen etwa gleichbedeutend: Singer [2] und senger [3] verfassten Lieder und trugen sie vor. Senger war auch Lehnübersetzung von lateinisch cantor. So nannte man den Leiter der Schola, des mittelalterlichen Kirchenchors. Singer dagegen wurde zum Fachausdruck bei den Meistersingern im 15. und 16. Jahrhundert. Das war eine Zunft wie bei den Handwerkern, mit den Stufen "Schüler, Singer, Meister". Auch sie sangen ihre eigenen Texte. Den Meistertitel erwarb man nicht bei einem Sängerwettstreit, sondern durch eine Prüfung.[4] Im Konkurrenzkampf der Wörter hat sich schließlich der Sänger durchgesetzt und den Singer in Spezialbedeutungen zurückgedrängt wie Meistersinger und Sternsinger.

Der Singer erhält aber heute Unterstützung aus dem Englischen. Dort gibt es nur to sing, singer und song. Song 'Lied' ist eine alte Variante der englischen Stammform sang. Unser Sang bezeichnet 'das Singen' und in der Zwillingsformel Web "Sang und Klang" die Vokal- neben der Instrumentalmusik.

Songs sind Gesänge, die wir uns anhören. Lieder Web hat man noch vor wenigen Jahrzehnten selbst gesungen, nicht nur in Kirche und Gesangverein, auch zu Hause, im Gasthaus und bei Ausflugsfahrten im Bus. Haben wir das Singen verlernt?

 

 

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Echo Online

 

Datum: 08.01.2013

Aktuell: 09.02.2019