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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Gemalte Wörter

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die ältesten, heute wieder lesbaren, Texte der Menschheit stammen aus Ägypten und dem südlichen Irak und sind über 5000 Jahre alt.[1]

Die Ägypter schrieben nicht, sie malten. An den Wänden ihrer Bauwerke kann man ihre Kunst heute noch bewundern: Zeichen für Zeichen akkurat ausgeführt, manchmal sogar in den passenden Farben: die Schilfrispe grün, das Wasser blau, der Mund rot. Hieroglyphen, heilige Kerbzeichen, nannten die Griechen diese Schrift.
Hieroglyphen malen war eine mühsame Arbeit, das konnte man bei Inschriften machen, Bei langen Texten auf Papyrus, mit Rohrfeder und Tinte geschrieben, begnügte man sich mit vereinfachten Formen. So entstand die "hieratische" Priesterschrift und später, noch stärker vereinfacht, die "demotische" Volksschrift.
[2]
Die Hieroglyphen
[3] zeigen zwar Bilder. Es steht aber bei ihnen nicht für jedes Wort ein eigenes Zeichen, sondern man hatte schon das Prinzip der Buchstabenschrift entdeckt. So bezeichnen "Schilfrispe" (jar 'Wassergras') den Laut J, "Wellenlinie" (net 'Wasser') N,[4] "Mund" (ro) R.[5]

'[6]

Theoretisch hätten die Ägypter alles mit 25 Symbolen schreiben können, stattdessen hielten sie weiter an einer älteren Silbenschrift und an Symbolzeichen fest und gebrauchten alle drei nebeneinander. Der Gott Amun schrieb sich nur mit Lautzeichen. Den Gottesnamen Osiris dagegen konnte man schreiben "Sitz Auge" (st jrj oder ws jrj) oder "Sitz Sonne" (st re) mit dem Deutezeichen "Gott"[7]. Das waren mehr Bilderrätsel als Schrift.

 

Etwa zur gleichen Zeit wie die Ägypter fingen auch die Sumerer im Süden des Irak zu schreiben an. Sie ritzten mit einem Griffel Symbole in feuchte Tontafeln, die sie trocknen ließen. Dieses Schreibmaterial erlaubte nur einfache Figuren, aber auch hier hat die Schrift angefangen mit Bildern: "Fisch" sah wirklich aus wie das Wassertier und "Wasser" zeigte zwei kurze Wellenlinien.[8] Bald aber ging man zu einer anderen Schreibmethode über: Man ritzte nicht mehr Linien, sondern stichelte mit dem Griffel. So entstand die aus Dreiecken und Winkeln bestehende Keilschrift. Das Prinzip war ähnlich wie in Ägypten: Begriffssymbole und Deutezeichen. Aber an Stelle der Buchstaben gab es eine Silbenschrift.

[9]

Die semitischen Assyrer und Babylonier übernahmen diese Schreibmethode und verbreiteten sie durch ihren politischen Einfluss im gesamten Orient und den angrenzenden Ländern.[10]

Auch in der syrischen Hafenstadt Ugarit bediente man sich der Keilschrift, führte aber vor 3500 Jahren eine entscheidende Neuerung ein: Man begnügte sich mit 30 Keil-Zeichen zur Darstellung der Konsonanten.[11] Mit der Zerstörung Ugarits um 1200 v. Chr. ging diese zukunftsweisende Schrift verloren.[12]

 

[6] Rainer Hanig, Großes Handwörterbuch Ägyptisch Deutsch 1187, Font: Nahkt

[7] Hanig 214

[8] Bruno Meißner, Die Keilschrift 17

[9] Friedrich Delitzsch, Assyrische Lesestücke S. 14 Nr. 100. Zeichen aus ePSD

 

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Echo Online | Begriffe Schrift

Sprachecke 13.02.2007 | 07.05.2013 | 22.05.2013

 

Datum: 14.05.2013

Aktuell: 09.02.2019