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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Magischer Zauber

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Fenster putzen ist ein wirksamer Regenzauber. Kaum sind die Scheiben sauber, da macht sie der Regen wieder schmutzig.

Oder sind wir nach dem Putzen nur empfindlicher? Was ist Ursache, was ist Wirkung? Im Aberglauben wird beides oft verwechselt. Zaubern geht nicht.
Der Zauberglaube ist aber nicht nur aus Unkenntnis entstanden. Es ist doch heute noch so, dass Fachleute mehr können als ich und etwas tun, was ich nicht verstehe. Sie werden sich hüten, ihre Tricks, Zauberformeln und Passwörter zu verraten: Betriebsgeheimnis.

Neben diesen Spezialisten gibt es aber Menschen, die die Welt nicht mit Technik, sondern mit Geisteskraft zu meistern versuchen und denen man außergewöhnliche Fähigkeiten nachsagt. Drei davon möchte ich vorstellen:

  1. Im Iran und weit darüber hinaus wirkten die Magier. Das war ursprünglich die Priesterkaste der Meder, eines westiranischen Volkes. Ihr Name drückt bereits aus, dass sie etwas "vermochten" und konnten: altpersisch Magus ist verwandt mit mögen in der alten Bedeutung 'können' und Macht.[1] Mit Ausnahme der "Weisen aus dem Morgenland"[2] hatten die Magier im Abendland einen schlechten Ruf und galten als Schwindler und Betrüger. Magisch[3] nennen wir heute eine Denkweise, die Fensterputzen für einen Regenzauber hält.

  2. Die Kelten hatten ihre Druiden. Auch sie waren eine Priesterkaste, die geistige Elite einer schriftlosen Kultur, die ihr Wissen von Lehrer zu Schüler mündlich weitergab. Von ihrer Lehre kennen wir nur Andeutungen.[4] Keltisch druids 'Druide' ist abgeleitet von einem keltischen druvido 'Festigkeit', das dem althochdeutschen gi-triuwida 'Treue, Vertrauen' entspricht. Die keltische Bedeutung lässt sich nicht genauer ermitteln.[5]

  3. Noch heute gibt es die sibirischen Schamanen. Das ist ein Wort der ostsibirischen Tungusen, das dort mit einfachem s oder mit h gesprochen wird und wohl ein Fremdwort aus Indien ist. Im Mittelindischen bezeichnete shamana einen Asketen.[6] Die Schamanen versuchen mit den Geistern in Verbindung zu treten und so die Menschen vor Unheil zu schützen.[7]

Neben den bekannten Wörtern Zauber (germanisch tauwra 'Ausführung')[8] und Hexe (germanisch haga- 'fähig' plus teswian 'Unrecht tun')[9] haben wir noch andere Ausdrücke:

  1. Den alten Sinn von zaubern trifft ziemlich gut eine Sonderbedeutung von hessisch brauchen, nämlich 'Magie anwenden, durch Besprechen heilen': Man ging zu einer Frau, die diese Kunst verstand, und "ließ sich brauchen", besprechen.[10]

  2. Eine Hexe oder Dämonin nannte man auch Drude, ein merkwürdiges Wort, das kaum, von deutsch traut 'lieb' und keltisch drûtos 'kräftig, üppig' zu trennen ist und damit auch von Druide, das allerdings zu einem anderen Zweig dieser Familie gehört.[11]

 

[10] Südhessisches Wörterbuch 1,1078.50 ff

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Übersicht

 

Echo Online

Begriffe: zaubern | Sprachecke 28.04.2009

 

Datum: 20.08.2013

Aktuell: 09.02.2019