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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

So ein Kram!

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Von uninteressantem, überflüssigem Kram, Krempel , Plunder, Ramsch reden wir im "wegwerfenden" Ton und wären ihn gerne los.

Kram nennen wir nicht nur wertlose Gegenstände, sondern auch irgendwelche Angelegenheiten und lästige Aufgaben. Der "ganze Behördenkram" muss ja erledigt werden, und wenn wir noch so stöhnen, und es ist besser, wenn sich jeder "um seinen eigenen Kram kümmert" als seine Nase in alles hineinzustecken. Ich krame gern in meinen Erinnerungen und denke daran, wie ich als Kind in Schubladen gekramt habe. Ungern gebe ich mich ab mit Umstandskrämern, die nicht zum Ziel kommen, und Geheimniskrämern, die sich wichtig tun mit dem, was nur sie zu wissen meinen.
Kram
, das war früher das Angebot eines Krämers, der ein kleines Geschäft hatte, in dem man fast alles kaufen konnte, und das aus Platzmangel mit Waren vollgestopft war. Er musste schon sehr genau wissen, was sich wo befand. Ursprünglich aber bezeichnete Kram den Laden selbst oder einen Marktstand, ein Wort, das es nur im Deutschen und Niederländischen gibt und dessen Herkunft sich nicht ermitteln lässt.[1]

Ein Mini-Kram ist der Krempel, den man beim Krempler oder Krämper krämelte oder krempelte - ganz deutlich Verkleinerungsformen von Krämer und kramen 'einkaufen', richtig hochdeutsch Krämchen, schwäbisch Krämle.[2] Das p wurde bei seltenen Wörtern auf Verdacht eingeschoben, weil dieser Laut hinter m oft verloren ging (krumb, heute krumm). So war es auch bei hampeln 'zappeln' aus hammeln 'hüpfen' und hessisch Bembel 'Glocke' aus Bimmel.[3] Der Äppelwoi-Bembel dagegen ist ein Apfelwein-Pümpel, zu Pumpe 'bauchiges Gefäß'.[4]

Wertloses Zeug nennen wir auch Plunder. Die alte Bedeutung war 'Hausrat, Kleider, Bettzeug'. Ihm entspricht plunde, plattdeutsch Plünne 'Lumpen'. Die niederländische Verkleinerung plunje hat das ursprüngliche 'Kleider, Siebensachen' beibehalten. Plündern war also 'den Hausrat rauben'.
Diese Wörter gehen zurück auf lateinisch plûmae 'Flaumfedern'. Damit füllt man Kissen, mittellateinisch plumâcium und plunatum. Das n lässt eine Entwicklung zu plunde erkennen, dessen Bedeutung sich von 'Kissen' über 'Bettzeug' und 'Textilien' zu 'Hausrat' und schließlich 'Lumpen, Plunder' verschoben hat.[5]

Ladenhüter häufen sich auch heute noch in den Warenlagern an. Deshalb muss der Kaufmann von Zeit zu Zeit die unverkäufliche Ware verbilligt abstoßen. "Alles muss raus" steht dann an den Schaufenstern. Darunter ist auch mancher Ramsch, Ware zweiter und dritter Wahl. Ursprünglich war damit alles gemeint, was sich im Laufe der Zeit angesammelt hatte. Ramsch, älter auch Rams, kommt von französisch ramas 'Ansammlung', ramasser 'ansammeln', als re-a-masser gebildet aus masse 'Menge'.[6]

 

 

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Echo Online

Sprachecke  12.12.2006 | 17.09.2013 | 24.09.2013 | Begriffe: reisen

 

Datum: 01.10.2013

Aktuell: 09.02.2019