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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Bekentnisse

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Oft freuen wir uns, wenn wir einen Bekannten treffen. Wir bekennen uns zu ihm, indem wir ihn ansehen, grüßen und mit ihm reden.

Anderen, die wir kennen, gehen wir lieber aus dem Weg. Sie sind uns unangenehm. Wir müssen uns ja nicht mit ihnen abgeben. Genauso unangenehm ist es, zu bekennen, dass wir einen Fehler gemacht haben, und um Verzeihung zu bitten. Vorher ist's peinlich, hinterher sind beide Seiten oft erleichtert. Wer schweigt, hat Angst, und wer bekennt, zeigt Mut.

Bekennen ist offen sagen, was wir wissen, und dazu stehen, zu unsern Angehörigen und Bekannten, unserm Tun und Lassen und zu unsrer Überzeugung. Von daher wird es verständlich, warum ein Bekenntnis auch die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft bezeichnet, deren Überzeugungen man teilt und mit deren Mitgliedern man sich verbunden fühlt.[1]

Diese Art von Bekenntnis nennen wir auch Konfession, zu lateinisch confitêri, fatêri 'zu erkennen geben' und weitergebildet aus fâri 'sprechen'.[2] Dass eine Einheit zerbricht, gibt es überall, nicht nur im Christentum, auch im Islam (Sunniten, Schiiten), in der Politik (Zerfall Jugoslawiens), sogar bei schwärmenden Bienenvölkern.

Hier in der Sprachecke geht's um die christlichen Konfessionen und ihre Namen:

Katholisch kommt von griechisch kat' hólou 'das Ganze betreffend, allgemein'. Die katholische Kirche war ursprünglich die Gesamtkirche im Unterschied zur Einzelgemeinde, später die römische Reichskirche, im Osten griechisch, im Westen lateinisch. 1054 brach sie auseinander. Den Anspruch "katholisch" zu sein haben die Ost- und Westkirche nie aufgegeben, so wenig wie 500 Jahre später die Reformatoren. Erst seit der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert[3] wurde "katholisch" zum ausschließlichen Kennzeichen der dem Papst unterstellten römischen Kirche.[4]

Die Ostkirchen nennen wir heute orthodox 'rechtgläubig', zu griechisch orthós 'richtig' und dóxa 'Schulmeinung',[5] im Sinne der im 4. und 5. Jahrhundert festgelegten Lehren, die auch von Katholiken und Protestanten anerkannt werden. Namen sind nur Etiketten zur Unterscheidung und sagen nichts über das Wesen aus.

Die Reformatoren wollten keine neuen Kirchen gründen, sondern längst fällige Reformen in der bestehenden Kirche durchführen. Erst als sie von der römischen Kirche ausgeschlossen wurden, gründeten sie neue Gemeinschaften, die von Anfang an nicht einheitlich waren. Sie nannten sich evangelisch, weil für sie maßgeblich das Evangelium, die Botschaft Jesu war,[6] oder reformiert, weil sie ihre Kirche nach der Bibel organisiert haben[7], oder Protestanten, weil der Kaiser die Reformation verbieten wollte und ein paar Fürsten und Städte auf dem Reichstag zu Speyer 1526 dagegen protestierten.[8]

 

 

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Übersicht

 

Echo Online | Sprachecke 03.12.2013 | 20.06.2017

Kreuzdenker, Begriffe: Glaubensgemeinschaften

 

Datum: 10.12.2013

Aktuell: 09.02.2019