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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Schabernäcker

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Komisch: Wörter, die 'Schabernack' bezeichnen, treiben selbst Schabernack und führen uns an der Nase herum.

Schabernack ist übermütiger Unfug; Schabernäcker nannte man bei uns schelmische Kinder, die die Erwachsenen anführen. Ihnen sitzt "der Schalk im Nacken". Den Schalk stellen wir uns als lustigen kleinen Kerl vor, der die Kleinen zu Unfug verführt. Ursprünglich war das ein nichtsnutziger Knecht, dem aller möglicher Unsinn einfiel, nur nichts Gescheites für seine Arbeit.[1]

Ist Schabernack, wenn man einen Schaber am Nacken hat? Und was hat er dort zu schaben? "Ätsch, reingefallen!" Jetzt streckt uns der Schalk die Zunge raus und lacht sich kaputt. Schabernack war im 13. Jahrhundert mehreres: ein böser Streich, aber auch eine "raue Mütze", eine Weinsorte und ein geographischer Name. Der geht zurück auf Cabriniacus zu romanisch cabrina '(Fell, Haare) der Ziege'. Daraus war vielleicht auch die Mütze gemacht. Sollte das eine Kapuze gewesen sein, konnte man sich damit vermummen und unerkannt Schabernack treiben.[2] Und der Schalk? Lacht wahrscheinlich immer noch. Ich sehe ihn nicht.

Nein, er war in seiner Höhle und hat sich einen Fez aufgesetzt, eine rote Mütze, wie man sie in islamischen Ländern trug, nach der Stadt in Marokko benannt.[3] In dieser Verkleidung will er uns weiter narren und allerlei Fez machen. Weitere Hüte? Er lacht sich einen ab. Nein, weiteren Unsinn. Fez ist natürlich die Mehrzahl von französisch fête 'Fest, Feier', sicher eine lustige Sache. Denkste! Es heißt "der Fez" und nicht "die". Und eine "Fete" ist normalerweise kein Schabernack.[4] Der Schalk guckt uns treuherzig an: "Das ratet ihr nie!"

Jetzt verkleide ich mich auch, setze einen Doktorhut auf und eine große Brille und versuche den Kobold auszutricksen: Also, dieser Fez kommt nicht aus Marokko, sondern aus Berlin. Die Berliner sagen "ee" für "ei" - "du weeßt schon, wat ick meene"[5]. Da könnte doch Fez auf Hochdeutsch Feiz heißen. Logisch! Aber was ist Feiz? So heißt im Rheinland eine 'Schwätzerin'. Daneben steht die reguläre Form Feix, eigentlich "Feigs" ein komischer Kauz, bösartig, einfältig oder lustig. Das dümmliche oder hinterhältige Feixen ist nach ihm benannt. Feigs kommt von feige, das nicht nur 'mutlos, ängstlich', sondern auch 'hinterhältig, gemein' bedeuten kann, ursprünglich 'unfähig' - wie ein Schalksknecht.[6]

Lacht er immer noch so dreckig? Nein er sitzt in der Ecke, schämt sich und dicke Tränen kullern aus seinen Augen. Er tut mir richtig leid.

Ich könnte jetzt noch eins draufsetzen und beweisen, dass Jux nicht von lateinisch iocus 'Scherz' kommt, sondern von jucksen, juchzen, jauchzen,[7] aber ich will den kleinen Scherzkeks nicht noch mehr ärgern.

 

 

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Echo Online

Begriffe: Freude

 

Datum: 04.03.2014

Aktuell: 09.02.2019