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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zukunftsprognosen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Schon immer haben Menschen versucht, die Zukunft vorauszusagen, Seher in grauer Vorzeit, Orakel, Wettervorhersage, Wahlprognosen.

Die Vergangenheit ist vergangen und die Zukunft noch nicht da. Eine Zeitmaschine könnte uns auch nichts anderes zeigen als unsre Erinnerungen, die Reste von früher und was heute schon feststeht: Rekonstruktionen und Zukunftsentwürfe. Ob es wirklich so war und tatsächlich so sein wird, steht noch nicht einmal in den Sternen. Die ferne Zukunft kennt keiner. Wir möchten aber wissen, was demnächst kommt, um planen zu können.

Es gibt Spezialisten, die die Zukunft zu kennen glauben. Ihre Voraussagen beruhen nicht auf exakten Methoden, sondern auf Einfühlungsvermögen. Hellsichtige Menschen können vor möglichen Gefahren warnen und Ratschläge geben, wie sie zu vermeiden sind.[1]

Orakel, lateinisch ôráculum (von ôráre 'sprechen') ist der 'Spruch'[2], besonders die Äußerung einer Wahrsagerin und die Stätte, wo man solche Sprüche hören konnte, zum Beispiel im Heiligtum des Apollo in Delphi. Dort saß ein Medium, die Pythia 'Erkunderin'[3], über einer Erdspalte, war von den ausströmenden Dämpfen benebelt und lallte als Antwort Unverständliches. Tempelangestellte, Propheten 'Voraussager' genannt[4], "übersetzten" und gaben einen doppeldeutigen Bescheid. Die Verantwortung lag beim Fragesteller, der oft die richtigen Schlüsse zog und mit großzügigen Spenden dankte. Fehlentscheidungen sind aber auch überliefert.

Unser heutiges Verständnis von Propheten ist von der Bibel geprägt.[5] Auch wenn wir heute nicht mehr alles verstehen, weil wir die Zeitumstände nicht kennen und die Bilder uns fremd sind, redeten diese Propheten Klartext, sagten auch mal richtig eine Trockenheit oder ein Erdbeben voraus, äußerten sich aber hauptsächlich zu aktuellen Fragen, kritisierten oder ermutigten, je nach Umständen. Bei den späten Propheten aber wurden die Bilder immer skurriler und waren nur noch für Eingeweihte verständlich, eine Art Geheimsprache.

Die biblischen Propheten waren Querdenker und ihre Worte stießen oft auf Widerspruch. Sie beriefen sich auf eine Offenbarung, d.h. eine spontane Eingebung, wie wir es ja heute noch erleben können. Man erkannte erst später, dass sie mit ihrer Kritik Recht hatten, und bewahrte ihre Prophezeiungen auf.

Die Germanen hatten einen eigenen Ausdruck, altenglisch wîtega, althochdeutsch wîzago, 'der Wissende'. Die heutige Entsprechung wäre "Weißige", aber man hat den alten Ausdruck schon vor 1200 Jahren nicht mehr verstanden und als wîs-sago 'Weissage' gedeutet. Dieses Wort ist erst in der Neuzeit untergegangen, gehalten haben sich bis heute weissagen, Weissagung an Stelle von prophezeien, Prophezeiung.[6]

 

 

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Echo Online

 

Datum: 18.03.2014

Aktuell: 09.02.2019