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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Kleiderordnungen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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In der Wahl unsrer Kleidung sind wir nicht frei. Sitte, Mode und Dienstvorschriften bestimmen, was wir anhaben.

Unpassend gekleidet sein, hemdsärmelig, wenn alle Anzug tragen, oder im Abendkleid bei einer legeren Zusammenkunft, wie peinlich! Peinlich für den Teilnehmer, aber auch für den Veranstalter. Warum sagt er nicht, was er erwartet? Ein kleiner Hinweis, ein Dresscode hätte genügt. Dieses Fremdwort für 'Kleiderordnung' ist bei uns seit etwa 15 Jahren gebräuchlich.[1] Auch vorher gab es Normen, was man bei welcher Gelegenheit anzieht, aber kein griffiges Wort dafür.

Regeln für die Garderobe gibt's auch in anderen Bereichen:

Dienstkleidung ist praktisch für die Erfordernisse der Arbeit oder als Erkennungszeichen, dass jemand in offiziellem Auftrag handelt. Soldaten, Polizisten und Einsatzkräfte tragen Uniformen, genormte Jacken, Hosen und Mützen mit Rangabzeichen. Schuluniformen können verhindern, dass Schüler wegen ihrer ärmlichen Kleidung gehänselt werden - und erlegen den Eltern vielleicht Ausgaben auf, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Lateinisch ûnifórmis, französisch uniforme bedeutet 'einförmig'. Die Bedeutung 'einheitliche Garderobe' kam im Französischen auf und wurde Anfang des 18. Jahrhunderts ins Deutsche übernommen.[2]

Dienstkleidung und Uniformen trägt man immer, wenn man im Dienst ist, im Unterschied zur Amtsrobe, die man nur bei bestimmten Verrichtungen anhat wie den Talar der Geistlichen, Juristen und Professoren. Tâláris war bei den Römern ein Gewand, das bis zu den Knöcheln (tâli) reichte. Im Mittelalter trugen die Gelehrten Talar. Vorschrift ist er erst seit 1811.[3] In den romanischen und angelsächsischen Ländern sagt man Robe, eigentlich Raub, bei einem Überfall erbeutete Kleidung.[4] Damit keine Missverständnisse aufkommen: Heute kauft man diese Gewänder legal im Fachhandel.

Dirndl[5] und Lederhosen gelten heute als Tracht 'was man trägt'[6]. Das war aber kein bayrisches Stammeskostüm, sondern weit verbreitet. Die Kleidung war nach traditionellem Muster selbst gemacht und musste möglichst lange halten. "Denn Geschlechter kommen, Geschlechter vergehen, Hirschlederne Reithosen bleiben bestehen", dichtete Börries Freiherr von Münchhausen mit Augenzwinkern.[7]

Trachten spielen heute kaum noch eine Rolle. Wir gehen mit der Mode. Und brauchen für jede Gelegenheit den passenden Dress: Monteuranzug mit dem Firmenlogo bei der Arbeit, unterschiedliche Sportkleidung für Fußball und Tennis, im Theater Anzug und Krawatte. Englisch dress 'Kleid, kleiden, zurechtmachten' kommt über altfranzösisch drecier 'richten' von lateinisch dîrêctio 'Richtung'.[8] Code ist eine 'Vorschrift'[9], Dresscode also 'Kleidervorschrift'.

 

 

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Echo Online

Begriffe Kleider | Sprachecke 27.02.2007 | 14.02.2012 | 08.04.2014

 

Datum: 01.04.2014

Aktuell: 09.02.2019