Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Auferstehung Christi

Sonntagsecho

Email:

 

 

"Auferstehung widerspricht der wissenschaftlichen Vernunft. Tot ist tot. Ein Toter kann nicht ins Leben zurückkehren."

Es wird aber nicht nur in der Bibel erzählt von Menschen, die kurz nach ihrem Tod wieder ins Leben zurückgeholt wurden. Das geschieht auch heute immer wieder: klinischer Tod, Herzmassage, Wiederbelebung. Der Einwand ist also leicht zu widerlegen. Nur hat diese Erklärung einen Schönheitsfehler: Die Wiederbelebten sind noch einmal gestorben oder müssen ein zweites Mal sterben.

Fragwürdige Beweisführung

Darum geht es aber bei Jesus nicht, denn was hätte es genützt, wenn es gelungen wäre, ihn am Leben zu erhalten? Er hätte keine Chance mehr gehabt öffentlich zu wirken. Die Geschichte endet anders: "Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes... von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten", heißt es im Glaubensbekenntnis.[1] Die Kirche hat nicht an eine Rückkehr ins irdische Leben gedacht, sondern an eine neue Existenzform, bei Gott im Himmel, auf einem Thron "zur Rechten Gottes" als neuer Regierungschef. Auch von unsern Toten erwartet die traditionelle christliche Hoffnung, dass sie "in den Himmel kommen" und nicht ins irdische Leben zurückkehren.

Die Evangelisten haben der Christenheit keinen Gefallen damit getan, dass sie anschauliche Geschichten erzählten, was die Anhänger Jesu am Ostermorgen und danach erlebten: Maria Magdalena und andere Frauen fanden das Grab leer und ein Engel informierte sie über die erfolgte Auferstehung. Vor Schreck aber vergaßen sie, die Jünger zu benachrichtigen.[2] Bei den Darstellungen der anderen Evangelien merkt man deutlich, wie die Erzähler versuchen, Einwände der Skeptiker zu entkräften: Jesus sei lebendig begraben worden. Nein, Pilatus hat erst ein Gutachten eingeholt, bevor er die Leiche freigab.[3] - Die Jünger hätten zum Beweis der Auferstehung das Grab leergeräumt. Das ging nicht, weil das Grab bewacht war.[4] - Die Jünger hätten nur einen Geist gesehen. Nein, Geister können nicht essen, der Auferstandene aber hat demonstrativ etwas gegessen.[5] Obwohl er doch wie ein Geist durch verschlossene Türen gehen konnte, an zwei Stellen gleichzeitig sein und plötzlich verschwinden, was Wesen aus Fleisch und Blut nicht möglich ist.[6]

Im Bemühen, der wissenschaftlichen Vernunft Beweise vorzulegen, haben die Evangelisten ein widersprüchliches Bild gezeichnet, das die ursprüngliche Aussage verfälschte, als ob es um die Wiederbelebung einer Leiche gegangen wäre.

Eine geistige Existenzform

Überlieferungen, die älter sind als die Evangelien, reden eine andere Sprache: Paulus war mehrfach in Jerusalem und erwähnt auch in seinem letzten Schreiben, dem Römerbrief, nichts von einem leeren Grab.[7] Im Philipperbrief zitiert er einen urchristlichen Hymnus: "Weil sich Christus erniedrigt hat, hat ihn Gott erhöht", ihn befördert und mit Sondervollmachten ausgestattet,[8] also aus dem Grab direkt in den Himmel geholt. Das war die älteste Auffassung. Dies wird bestätigt durch den Bericht von der Steinigung des Stephanus, der im Sterben Jesus zur Rechten Gottes stehen sah.[9] Auch die Bekehrungsgeschichte des Paulus erzählt nichts von einem wiederbelebten Jesus, sondern von einer Vision: Er sah ein "Licht vom Himmel" und hörte eine Stimme.[10]

Mathias Grünewald hat auf dem Isenheimer Altar diese ursprüngliche Vorstellung sehr eindrücklich dargestellt: den aus dem Grab und der Nacht des Todes entschwebenden himmlischen Christus im himmlischen Glorienschein.[11]

Jesus lebt in denen, die ihn lieben.

Die moderne naturwissenschaftlich-mathematische Betrachtungsweise beschäftigt sich nur mit einem Teil der Wirklichkeit. Man kann aber nicht alles berechnen oder aus Naturgesetzen ableiten. Selbst ein einfacher Urlaubsgruß lässt sich mit Mathematik und Naturgesetzen nicht deuten. Man muss die Schrift lesen können, die Sprache verstehen - und vor allem erkennen, dass der Gruß ein Zeichen der Verbundenheit ist. Freundschaft, Liebe, Verstehen, Sinn, Harmonie, das ist die Welt, in der Jesus weiterlebt. Man kann sich dafür öffnen oder dagegen verschließen und dann entsprechende Erfahrungen im irdischen Leben machen - oder auch nicht.

Das geistige Vermächtnis Jesu ist heute noch wirksam, nicht nur als Bestandteil der abendländischen Kultur, sondern weil sich immer wieder Menschen für ihn begeistern lassen. Jesus lebt auch in denen weiter, die ihn lieben.

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online | Sprachecke 22.04.2014

Wie stellen wir uns die Auferstehung vor? | Wann ist Jesus auferstanden? | Auferstehung | Leben nach dem Tod

 

Datum: 19.04.2014

Aktuell: 09.02.2019