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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fröhliche Urständ

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Der Ostersonntag, wie ursprünglich jeder Sonntag, ist der Gedenktag an die Urstände, die Auferstehung Jesu.

Zwar kann heute jeder Geschulte einen Menschen nach einem Herzstillstand wieder ins Leben zurückholen. Bei Jesus ging es aber um etwas Anderes: nicht dass er wieder lebendig wurde, sondern dass er zum ewigen Leben bei Gott erwachte. In den ältesten Texten des Neuen Testaments ist von seiner "Erhöhung" die Rede, nicht von Auferstehung und Himmelfahrt.

Urstände ist das alte Wort für das, was wir heute Auferstehung nennen, abgeleitet von erstehen, wie Urlaub, Ursprung, Urteil von erlauben, erspringen, erteilen. In den Osterliedern steht heute noch "Christ ist erstanden", nicht "auferstanden". Althochdeutsch ûf-irstên 'sich auf die Beine stellen; von den Toten zurückkehren' wurde zur Unterscheidung vom allgemeineren ir-stên gebildet, das auch bedeuten konnte 'offen stehen, entstehen, erwerben (so lange vor Gericht stehen bleiben, bis man das Streitobjekt zugesprochen bekommt), ausstehen (ertragen), verstehen'. Auferstehung ist erst seit dem 15. Jahrhundert belegt.[1]
Das alte Urstände ist heute nur noch in der Wendung gebraucht "fröhliche Urständ". Das wünschte man den Toten am Jüngsten Tag, eine fröhliche Auferstehung, so letztmals nachweisbar 1877.
[2] 1920 feierte diese Redensart im heutigen Sinn "fröhliche Urständ", sie schien vergessen zu sein und tauchte auf einmal wieder auf.[3]

Es ist eigenartig, dass die Auferstehung bei den Namen des Osterfestes nur bei den Slawen an der Adriaküste zur Sprache kommt, dort sagt man Uskrs  (zu altslawisch vus-kresiti 'aufwecken'). Die Westslawen nennen es "Große  Nacht", die Ostslawen "Großen Tag", wohl in Anlehnung an einen griechischen Ausdruck. In Griechenland und im römischen Einflussbereich (Westeuropa) heißt dieses Fest wie das entsprechende jüdische pas'cha.[4]

Die Engländer (Easter) und wir Hochdeutschen mit unserm Ostern haben einen eigenen Ausdruck. Als die Angelsachsen Christen wurden (ab 597)[5], übernahmen sie für die christlichen Begriffe meist nicht die lateinischen Vokabeln, sondern gaben germanischen Wörtern eine neue Bedeutung, die ihre Missionare später auch aufs Festland brachten.

Dazu gehört auch Ostern, das nur im Missionsgebiet der Angelsachsen verbreitet ist: Friesland und Deutschland. Die Kirchen feiern die Auferstehung Jesu in der Osternacht, die mit dem Hellwerden endet. Das Licht des neuen Tages (indogermanisch ausos) zeigt sich nach Luthers Worten "gen Morgen", im Osten. Als die slawischen Sorben im 11. Jahrhundert Christen wurden[6], war ihnen der  Zusammenhang zwischen Morgen, Osten und Ostern noch bewusst, denn sie nannten das Fest jutry, zu jutro 'Morgen'.[7]

 

 

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Datum: 22.04.2014

Aktuell: 09.02.2019