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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Attraktive Steine

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Der Magnet ist attraktiv, denn er zieht Eisen an. Er ist auch nach heutigem Verständnis attraktiv: reizvoll, interessant.[1]

Auf der griechischen Halbinsel Magnesia fand man ein Mineral, an dem Eisen hängen bleibt, und nannte es líthos Mangnêtis 'Stein von Magnesia'. Die Landschaft hat ihren Namen nach ihren Bewohnern, den Magneten, der Überlieferung nach ein Zweigstamm der Makedonier. Einige dieser Magneten gründeten Städte in Kleinasien und Sizilien, die sie nach ihrer Heimat Magnesia benannten.

Der römische Gelehrte Plinius beschrieb den Magneten und unterschied nach Farbe, Fundort und magnetischer Eigenschaft fünf Arten, unter anderem einen weißen, porösen, nicht magnetischen Stoff aus Magnesia in Kleinasien, der also ganz andere Eigenschaften hat. Das eine ist Eisenoxid, das weiße dagegen Magnesiumkarbonat, daneben gibt es noch einen "Magneten" aus Manganoxid. Magnetische Kraft haben nur die eisenhaltigen Steine.[2]

So genau wissen wir das erst heute. Plinius kannte noch nicht die Metalle Mangan und Magnesium, und erwähnt die weiße Substanz nur, weil sie ebenfalls nach Magnesia benannt ist. Sie hat auch bis heute ihren alten Namen behalten. Vor etwa 200 Jahren gelang es, daraus das Metall zu gewinnen[3], das wie andere chemische Elemente die lateinische Endung -um bekam, und daher Magnesium heißt. Mangan hat seinen Namen von einer verballhornten Form manganesia.[4]

Magnete verwenden wir im Kompass. Die Chinesen hatten seit dem 11. Jahrhundert schwimmende Magnetnadeln, die ihnen bei der Orientierung halfen. Hundert Jahre später kam in Europa der Kompass auf, bei dem der Zeiger auf einer Achse über einer Windrose befestigt ist.[5]

Romanisch compasso war ursprünglich der Stechzirkel, der mit seinen Schenkeln an Beine erinnert (zu lateinisch passus 'Schritt'). Man braucht ihn, um auf der Karte Entfernungen zu messen. Deshalb bedeutet compassare 'abmessen'. Mit dem Zirkel kann man auch den Kreis in Sektoren teilen,[6] daher wohl die Übertragung auf die Windrose und den Kompass. Im Deutschen ist dieses Wort seit dem 15. Jahrhundert gebräuchlich und bezeichnete anfangs auch eine Sonnenuhr, die man auf die Reise mitnehmen konnte.[7] Bei einigen Modellen zeigte ein eingebauter Kompass, wo Süden ist.[8]

Die Kompassnadel richtet sich am Magnetfeld der Erde aus. Das wusste man nicht immer und glaubte, am Nordpol befinde sich ein Magnetberg, der die Nadel in diese Richtung zwingt.[9]

Um den Magnetberg zu sehen, müssen wir nicht zum Nordpol. Wir haben ihn ganz in unsrer Nähe: Bei der Burg Frankenstein gibt es Felsen, die vermutlich durch Blitzschlag magnetisiert wurden und hauptsächlich für Kompassnadeln attraktiv sind.[10] Besucher finden die Burg interessanter.

 

[1] Kreuzdenker, Etymologie: attraktiv

[2] Kreuzdenker, Quellen: Magnet

[3] Magnesium – Wikipedia

[4] Kreuzdenker, Etymologie: Magnet

[5] Kompass – Wikipedia

[6] Kreissektor – Wikipedia

[7] Kreuzdenker, Etymologie: Kompass

[8] Klappsonnenuhren - Nürnbergs handlichster Exportartikel - Stadtleben - nordbayern.de

[9] Magnetberg – Wikipedia | Zula_Magnetbergsage

[10] Ilbes-Berg – Wikipedia | Heimatkunde für Fortgeschrittene S. 14

 

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Datum:

Aktuell: 09.02.2019