Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Kulinarisches von Lukull

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Gefüllte Haselmäuse[1] wie im alten Rom essen wir nicht mehr. Trotzdem hat uns die römische Küche bis heute geprägt.

Lucius Licinius Lucullus (117-56) ist in die Geschichte eingegangen nicht als römischer Politiker und erfolgreicher Feldherr, nicht als Förderer von Kunst, Wissenschaft und Obstanbau (vor allem der Kirschen), sondern als Liebhaber erlesener Speisen. Als einer der reichsten Männer Roms konnte er sich das leisten und hat nicht "spartanisch" einfach gelebt, wie es das altrömische Ideal war.[2]
In seiner culîna 'Küche' wirtschafteten Spitzenköche, die auf dem Sklavenmarkt zu Höchstpreisen gehandelt wurden.
Da haben wir gleich zwei Ausdrücke ähnlicher Bedeutung: lukullisch 'erlesen und üppig' und kulinarisch 'die Küche betreffend; schwelgerisch, genießerisch'.

Wir kleinen Leute können uns keinen Koch leisten, das war damals nicht anders. Wir müssen dann selber brutzeln, uns was kommen lassen oder essen gehen, oft im Schnellimbiss, weil für ein gepflegtes Essen keine Zeit ist. In Rom ging man in die popîna, ein einfaches Gasthaus. Auch popîna bedeutet eigentlich 'Küche', ein Fremdwort aus einer benachbarten Sprache. Die lateinische Entsprechung war coquîna 'Küche im eigenen Haus', wohl ein Wort der Normalbürger im Unterschied zur feinen culîna (alt coxilîna). In beiden Wörtern steckt cóquere 'kochen, backen', dazu coquus 'Koch, Bäcker.'

Wir merken, wir befinden uns damit bereits in der zivilisierten Welt. Selbst die spartanisch lebenden Spartaner schwelgten im Luxus in Vergleich zu den Barbaren im Norden, die man später Germanen nannte. Die wohnten noch mit dem Vieh unter einem Dach, in Häusern mit Lehmwänden, und sotten, brieten und buken auf offenem Feuer mitten im Wohnraum. Die feine Küche mit und ohne Haselmäuse lernten sie erst durch die Römer kennen. Dann aber hagelte es jede Menge Fremdwörter für die bisher unbekannten Dinge: Koch und kochen sind ja so weit nicht von ihrem lateinischen Ursprung entfernt. Aber auch die Küche gehört dazu, althochdeutsch kuchina von vulgärlateinisch cucina. Statt popîna sagte man jetzt caupôna 'Kneipe, Laden'[3], daher hat sich popîna nicht gehalten.

Nicht alles ist "Küchenlatein".[4] Kuchen und englisch cake sind germanische Wörter und nur entfernt mit den lateinischen verwandt.[5] Grundlage ist ein vorindogermanisches Wort für 'Feuer, brennen, heiß', das auch auf anderen Kontinenten nachweisbar ist: hebräisch qajtz 'Sommer, heiß', Maya (Mittelamerika) chokow, chokoj 'warm', Nuba (oberer Nil) kak 'sich wärmen'.[6] Kokeln und kochen gehört zum Grundbestand der menschlichen Kultur. Doch vom angebrannten Hasen bis zu Lukulls kulinarischen Leckerbissen war ein weiter Weg.

 

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

 

Datum:

Aktuell: 09.02.2019