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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Bahnbrecher

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Bahnbrechende Erfindungen waren Schienen und befestigte Straßen, die den modernen Verkehr erst ermöglichten.

Unter einem Bahnbrecher stellen wir uns einen Straßenbauer vor, der sich mit schwerem Gerät durch Wald und Fels "bricht" und einen Weg bahnt und planiert, auf dem wir gehen und fahren können. Althochdeutsch banôn bedeutet aber nicht 'ebnen, freimachen', sondern 'züchtigen, quälen'. Das Grundwort bana war noch brutaler: Gemeint war die 'Erschlagung, Hinrichtung'. Der Bahnbrecher "schlug" sich nicht durch unwegsames Gelände, sondern als Vorkämpfer durch die feindliche Schlachtreihe und machte den Weg frei für die nachfolgenden Krieger.[1] Das ist die älteste Bedeutung der Redewendung "Bahn brechen".[2]

Es muss ja nicht gleich eine Auto- oder Eisenbahn sein. Die ältesten "Bahnen" waren Trampelpfade, bewährte Routen, die zu einem Ziel führten. Mit Lasttieren konnte man darauf auch Waren transportieren. Richtige Straßen wurden durch die Erfindung des Wagens nötig. Mensch und Tier können über Hindernisse hinweg klettern. Der Wagen braucht freie Bahn und eine hinreichend breite Trasse. Einen weiteren Anstoß für den Straßenbau ergaben sich durch militärische Erfordernisse: Es waren ja nicht nur Tausende von Kriegern, die in Eilmärschen zum Kampf hetzten, es mussten auch Waffen, Gerät, Material und Verpflegung mitgeführt werden. Die Römer hatten daher auf ihren Kriegszügen Bautrupps dabei, die für schnelle Truppenbewegungen befestigte Straßen anlegten, die später auch zivilen Zwecken dienten und den Fernhandel ermöglichten.

Das Wort Weg gibt es nur im Germanischen.[3] Dass Weg zu bewegen, wegen (auf den Wegen von...), weg (schon auf dem Weg, nicht mehr da) und Wagen gehört, kann man sich ja denken, aber auch zu wiegen, wägen, dazu Waage, Gewicht, Wucht und der federleichte Wicht, der sich auf seinen kurzen Beinchen flink bewegt, ferner wagen 'auf die Waagschale werfen, riskieren' sowie die Woge auf dem Meer und der Teich namens Woog, - eine breit entfaltete Wortfamilie[4] mit Verwandten im Indogermanischen.[5]

Den Römern verdanken wir die strâta 'gepflasterte Straße', zu strâtum 'Decke, Auflage', die auch eine Matratze oder Reitdecke sein konnte. Unsre Vorfahren behielten diesen Ausdruck bei, nur dass sie das t als scharfes s sprachen, daher Straße.[6] Ein mittellateinisches Konkurrenzwort war calciata 'mit Kalksplitt (calx) belegt', ursprünglich ein Straßendamm durch den Sumpf, heute französisch chaussée, deutsch Chaussee 'befestigte Landstraße'.[7]

Die Gasse führt nicht über Land, sondern zwischen Häusern hindurch. Das Wort ist wie Gang eine Ableitung von gehen[8] (altindisch gâtú- 'Gang, Weg') und kommt aus dem Baltischen (lettisch gatwa Durchgang').[9]

 

 

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Begriffe: Weg

 

Datum: 28.10.2014

Aktuell: 09.02.2019