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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Ende gut, alle gut[1]

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Morgen um Mitternacht ist es aus mit 2014. Ob das Jahr gut oder schlecht war, wissen wir erst übermorgen.

Da man "den Tag nicht vor dem Abend loben" soll, können wir erst aus der Rückschau beurteilen, wie es war. Der folgende Morgen ist auch noch zu früh, weil "noch nicht aller Tage Abend" ist. Vieles, was erst mal gut scheint, artet aus, und manches, was uns zunächst schmerzt, kann der Übergang zu etwas Besserem sein.

Das Ende[2] liegt vor uns (lateinisch ante) und uns gegenüber (griechisch antiós).[3] Bei einem Korridor kann man das andere Ende erkennen, oft ist es aber nicht abzusehen, bei weit entfernten Zielen wie bei zeitlichen Vorgängen, von denen wir nicht wissen, wie sie weitergehen werden. Ein Schlager von 1986 "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei"[4] spielt mit den beiden Bedeutungen: Die Wurst hat zwei räumliche Zipfel, gemeint ist aber der zeitliche Abbruch einer Beziehung. Doppeldeutig ist auch der Ausdruck "Ende der Welt": Man denkt an den Weltuntergang. Es kann aber auch der Rand der Erdscheibe sein, wie man sich's früher vorgestellt hat.

"Das Gremium kam zu dem Schluss, den Antrag abzulehnen. Denn er war nicht schlüssig begründet. Der Vorsitzende beendete mit einem Schlusswort die Sitzung." Auch Schluss kann 'Ende' bedeuten.
Schluss ist eine Parallelbildung von Schloss und verhält sich zu schließen[5]
wie Fluss und Floss 'Gosse' zu fließen. Das bereits althochdeutsche Schloss bedeutete ursprünglich 'Türriegel' und als Übersetzung von lateinisch claústrum auch 'umschlossener Raum' (daher das Lehnwort Kloster) sowie 'Sperre, Burg' (heute 'Palast'). Unter Einfluss von conclûsio kam 'Schlussfolgerung, Beschluss' hinzu. Dafür sagen wir seit dem 13. Jahrhundert Schluss. Die heute vorherrschende Bedeutung 'Beendigung' ergab sich aus den Beschlüssen und Schlussworten als Ergebnis einer Beratung.
In Schluss steckt immer noch die Vorstellung vom absichtlich vorgeschobenen Türriegel: Der Mann im Schlager hat mit seiner Freundin "Schluss gemacht" und ihr gesagt: "Es ist vorbei." Vielleicht hat er ihr den Schlüssel zu seiner Wohnung abgenommen und sie ausgesperrt.

Im Unterschied zur Wurst hat der Ring kein Ende. Der gebogene Metallstab ist endlos und wurde so zum Symbol für 'ewig' und 'ewige Treue'. Daraus weiter entwickelt sind die zwei ineinandergesteckten Ringe als Sinnbild für 'Heirat' und vereinfacht die "liegende Acht" ∞ der Mathematiker als Zeichen für unendlich.[6] Da geht es aber nicht um eine Endlosschleife, sondern um eine Ziffernfolge, die immer weiter geht.[7]

Das Jahr hat Anfang und Ende, aber die Zeit läuft immer weiter, wie die Erde um die Sonne. Von Neujahr bis Silvester ist eine Runde und übermorgen geht's weiter.

 

[6] Unendlichkeit – Wikipedia
Beispiel: Wenn man eine Zahl durch immer größere Zahlen teilt, wird sie immer kleiner, erreicht aber nie den Wert Null: ein Halb, ein Hundertstel, ein Milliardstel

[7] wie bei den periodischen Zahlen, bei denen sich eine Ziffernfolge ständig wiederholt:
1 : 7 = 0,142857 142857 142857 142857 142857...

 

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Übersicht

 

Echo Online | Begriffe: Anfang und Ende

Sprachecke 06.01.2015

 

Datum: 30.12.2014

Aktuell: 09.02.2019