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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Generationen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die Eltern sind alt, die Kinder längst erwachsen. Die nächste Generation wächst heran. Was ist eine Generation?

Jeder Mensch hat zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern und so weiter. Deren Zahl vermehrt sich von Generation zu Generation explosionsartig. In der 10. Generation hätten wir über tausend,[1] in der 20. schon über eine Million[2] Vorfahren. Das war wohl im 16. Jahrhundert, da lebten zwischen Maas und Memel aber gerade mal 22 Millionen.[3] Irgendwann im Mittelalter hatte jeder mehr Ahnen als es Menschen in Mitteleuropa gab. Kann das sein? Familienforscher wissen, dass sich schon vor 200 Jahren viele Linien überschneiden. Je weiter wir zurückgehen, desto mehr Überschneidungen gibt es: Entfernte Verwandte von uns haben entfernte Verwandte geheiratet. Damit vermindert sich die tatsächliche Zahl der Menschen, von denen wir abstammen. Am Anfang stand nur ein einziger "Adam" und eine einzige "Eva".[4]

Generation ist ein schwieriger Begriff. Im obigen Sinn fasst Generation alle Kinder zusammen oder alle Enkel oder alle Urenkel. Nicht nur die Zahl der Nachkommen vergrößert sich von Generation zu Generation, sondern auch der Altersunterschied. Bei den Kindern meiner mütterlichen Großeltern betrug er 7 Jahre, bei den Ururenkeln 28. Die Grenzen verwischen sich.
Wenn der älteste lebende Vorfahre gestorben ist, der das Bindeglied aller Verwandten war, verblasst auch das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit. Mit dem heutigen Zerfall der Familie geht das alles noch viel schneller.

Neben diesen "waagrechten" Generationen gibt es auch "senkrechte", die Glieder zwischen dem Ahnen und den heutigen Nachkommen. Eine Generation dauert von der eignen Geburt bis zu der des ersten Kindes. Die Frauen sind heute etwa 29, 1980 waren sie vier Jahre jünger.[5] Wenn die Frauen früherer Jahrhunderte schon mit 20 ihr erstes Kind gebaren, sind 20 Generationen ungefähr 400 Jahre.

Auch eine Altersgruppe nennen wir Generation, jetzt völlig losgelöst von der Verwandtschaft. Das sind Menschen, die durch bestimmte Zeitverhältnisse geprägt sind, wie die Nachkriegs-, Turnschuh- und Null-Bock-Generation, oder die durch ihr Alter ähnliche Lebensumstände haben, zum Beispiel die "Generation 60plus" an der Schwelle zum Ruhestand, körperlich und geistig oft noch fit und keineswegs "alt" und gebrechlich.[6]

Generation wurde schon im 16. Jahrhundert in fast demselben Sinn wie heute aus dem Lateinischen übernommen. Die ursprüngliche Bedeutung von generâtio war 'Zeugungsfähigkeit', abgeleitet von generâre 'erzeugen, abstammen' und dieses von génus 'Abstammung, Art, Gattung'.[7]

Das deutsche Wort war Geschlecht, das auch 'Familie' und den sexuellen und grammatischen Unterschied bezeichnet.[8]

 

[1] 210 = 1.024

[2] 220 = 1.048.576

[4] Adam des Y-Chromosoms – Wikipedia

Mitochondriale Eva – Wikipedia:

nicht die ersten Menschen, sondern die letzten gemeinsamen Vorfahren aller Menschen.
Die unterschiedlichen Datierungsversuche zeigen, dass die Untersuchungsmethode noch nicht ausgereift ist.

 

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Echo Online

 

Datum: 20.01.2015

Aktuell: 09.02.2019