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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Alles voller Keime!

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Ekelhaft! Alles ist voller Keime, Krankenhaus, Küche, Luft, Wasser, die ganze Natur und sogar die Kartoffeln.

Wenn Kartoffeln im Frühjahr keimen und anfangen zu schrumpeln, ist das nicht gesundheitsschädlich, sondern der Lauf der Natur: Aus den Knollen wachsen neue Triebe, aus denen sich junge Pflanzen entwickeln. Wer die gekeimten Kartoffeln in die Erde legt, kann im Herbst wieder neue ernten. Dazu hat der Verbraucher aber meist keine Möglichkeit. Was also tun? Wegwerfen? Viel zu schade! Man reißt den Kartoffeln die "Schwänze" aus und bereitet sie ganz normal zu. Auch schrumpeln ist normal; die Knollen sind Vorratsspeicher einer lebenden Pflanze. Wenn sie faltig werden und keimen, sind sie nicht chemisch behandelt.

Auch das Wort Keim ist gekeimt, der "Schwanz" ist das angefügte m (wie bei sä-en / Sa-me. Das althochdeutsche Wort war kî-m-o(n), das Verb kî-n-an 'keimen'[1] mit einer Anfügung n wie bei lehren 'Wissen vermitteln' / lernen 'Wissen erwerben'[2].

Wenn wir heute von Keimen reden, denken wir eher an Krankheitserreger, winzige Lebewesen im Ruhezustand (Sporen)[3], die in unsern Körper eindringen, dort aufwachen und die Körperfunktionen stören. Meist handelt es sich um Spaltpilze, Organismen, die sich wie viele Pilze nicht geschlechtlich vermehren, sondern durch Spaltung, also durch Zellteilung verbreiten.[4]

Keime und Spaltpilze sind ungenaue deutsche Bezeichnungen, unter denen sich der Laie so wenig vorstellen kann wie unter den wissenschaftlichen Namen Bakterien (Oberbegriff) und Bazillen (eine Untergruppierung). Bakterien (griechisch baktêria) und Bazillen (lateinisch bacílli) bedeuten beide 'Stäbchen', zu báktron, báculum 'Stab'.[5] Sie sind nach ihrer Gestalt benannt; Bakterien wurde dann verallgemeinert auch für anders geformte Einzeller. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, dass in unserm Körper mehr Bakterien hausen als wir Körperzellen haben, die meisten davon sind nützlich.[6] Als die Bösen gelten die Bazillen.

Alle diese und noch sehr viel mehr "Keime" werden zusammengefasst unter dem Namen Mikroben 'Kleinstlebewesen', zu griechisch mîkrós 'klein' und bios 'Leben'.[7] Sie sind zwar mickerig, was mit dem griechischen Wort aber nichts zu tun hat, sondern eigentlich 'jämmerlich' bedeutet, zu miken 'weinen', mickern 'jammern'.[8]

Noch mickeriger sind die Viren (von lateinisch vîrus 'Gift')[9], die nur aus Erbanlagen bestehen und fremde Programme in die Zellen einschleusen. Die Schäden, die sie anrichten, sind bekannt. Manche von ihnen sind aber nützlich, da sie auch Krankheitskeime angreifen.[10] Ähnlich funktionieren die Computerviren, welche elektronische Systeme "anstecken". Wenn sie doch wenigstens Bazillen oder Staub fressen würden!

 

 

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Echo Online

Begriffe: Lebewesen

 

Datum: 15.06.2015

Aktuell: 09.02.2019