Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Loch an Loch

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Was ist das: "Loch an Loch und hält doch"? Das Sieb, richtig. Aber auch der Käse, Schottland und der Vater Rhein[1].

Es gibt eben auf viele Fragen mehrere Antworten.

Das gemeine Loch ist, salopp gesprochen, "nichts mit was drum herum", wie beim Sieb, im Käse und alten Strumpf und bei dem, was ein Blick ins Leere hinterlässt, nämlich "ein Loch in der Luft". Aber auch 'enger Raum, Kerker, Höhle, Grube' und Luke gehören dazu, deren Riegel gelockert oder vorgeschoben werden kann (englisch lock 'verschließen').[2]

Der schottische Loch ist ein 'See', aber kein Wasserloch, sondern verwandt mit Lagune.[3] Unsre Lache hat nichts damit zu tun.[4] Davon gibt es in Südhessen viele: Das Südhessische Flurnamenbuch zählt 257 Flurnamen auf, die mit Lache gebildet sind, jeder 15. Eintrag enthält dieses Wort.[5] Das ist nichts im Vergleich zu Schottland, das 1.732 Lochs hat.[6] Unsre Lachen sind viel kleiner und flacher, die meisten wahrscheinlich heute Ackerland.

Auch der Vater Rhein hat Löcher:[7]

An der Grenze zur Schweiz gibt es das St.-Anna-Loch, das ist mit 32 m die tiefste Stelle im Rhein, entstanden durch einen Grabenbruch,[8] wie bei der Oberrheinischen Tiefebene.[9]

Vor 200 Jahren waren Anfang und Ende der Rheinschleife bei Lampertheim durch einen großen See verbunden, das Welsche Loch[10], wahrscheinlich durch eine Überschwemmung entstanden, wie das Neujahrsloch bei Erfelden, ein See, der nach einem verheerenden Deichbruch 1882/83 zurückgeblieben ist.[11] Dieses "Loch" wurde von dem Wasserstrudel ausgehöhlt, der aus der Bresche strömte.[12]

Vor dem engen Mittelrheintal stauen sich im Rheingau die Wassermassen. Schuld daran ist nicht nur der schmale Abfluss, sondern auch eine natürliche Gesteinsbarriere, die der Rhein überwinden muss. Ursprünglich kamen nur kleine Boote drüber. Schwere Lastschiffe mussten geleichtert werden. Die Fracht wurde ein Stück auf dem Landweg transportiert und hinterher wieder eingeladen. Schon im 17. Jahrhundert gelang es ein Loch in diese Schwelle zu brechen, das inzwischen mehrmals erweitert  wurde. Durch das Binger Loch können heute die Schiffe ungehindert fahren.[13]

In welchem dieser Löcher hat Hagen den Nibelungenschatz versenkt? Im  Nibelungenlied heißt es: "er schvtten da ce Lôche allen in den Rin: Er schüttete ihn alle dort bei Lôch in den Rhein."[14] Lôch ist keine Vertiefung im Flussbett, sondern ein Loh, ein Wäldchen am Ufer.[15] Davon gab es im Ried eine Menge, sodass es aussichtslos ist, die Stelle wiederzufinden. Es ist kaum anzunehmen, dass sich Hagen allzu weit von Worms entfernt hat. Aber es muss auch bedacht werden, dass der Rhein seit der Sage mehrfach sein Bett verlagert hat. Der Schatz ist buchstäblich in einem "Loch" verschwunden, im Nichts.

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

 

Datum: 30.06.2015

Aktuell: 09.02.2019