Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Heilige Weihe

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Weihnacht ist die "heilige Nacht", in der Jesus geboren wurde. Weihnachten bezeichnet die beiden Feiertage.

Weih und heilig waren vor 1200 Jahren Konkurrenzwörter, das erste wohl aus der gotischen Mission in Süddeutschland (weihs), das zweite aus der angelsächsischen (hálig).

Das Adjektiv weih ist sonst nur noch in Zusammensetzungen erhalten wie Weihrauch 'heiliges Räucherwerk'[1] und Weihwasser (aus weihes Wasser).[2] Der Weihbischof ist ein Geistlicher, der zum Bischof geweiht ist, aber keine eigene Diözese hat, und oft bei Weihehandlungen tätig ist.[3] Hier lässt sich nicht mehr erkennen, ob dieser Titel zu weih, weihen oder Weihe gehört.

Gut gehalten haben sich dagegen weihen 'heilig machen, religiösen Zwecken widmen' und Weihe 'Heiligung, Verleihung einer geistlichen Würde' und übertragen 'für etwas bestimmen' und 'Erhabenheit, Feierlichkeit'.

Germanisch wîh- konnte nicht nur 'heilig' bedeuten, sondern auch 'kämpfen', daher Geweih 'die Waffe des Hirschs', sonst nur noch erhalten in Namen wie Wiegand 'Kämpfer' und Lud-wig, dazu lateinisch vîci 'ich siegte'.[4] Gemeinsame Grundbedeutung war 'lebenskräftig sein' (wie in litauisch viekas 'Kraft, Leben'). Diese Energie müssen wir uns vorstellen nicht nur als Vitalität und Muskelkraft, sondern auch als magische Fähigkeit, daher altenglisch wicca 'Zauberer'.[5]

Die religiöse Weihe ist verbunden mit dem Wunsch, dass Gott seinen Segen dazu gibt., Sie hebt eine Person oder Sache aus dem Alltag heraus. Daher wird bis in unsre Zeit von Geistlichen eine besondere Lebensführung und in Gotteshäusern ein angemessenes Betragen erwartet. Auch darf man geweihte Gegenstände nicht einfach anfassen und über religiöse Themen nicht respektlos reden.

Bei einer Einweihung wird ein Gebäude als heilig erklärt. Was wir normalerweise unter Einweihung verstehen, ist genau das Gegenteil: nicht aussondern, sondern in alltäglichen Gebrauch nehmen. Da wurde der kirchliche Sprachgebrauch auf gewöhnliche Gebäude übertragen.
Weih
konnte im Unterschied zu heilig gut oder böse sein, gesundheitsschädlich (verhext) oder heilkräftig. Heilig gehört auch heute noch erkennbar zu heil 'unversehrt, ganz, in Ordnung, gesund', daher heilen 'wieder ganz oder gesund machen'. Im Altnordischen und Altenglischen konnten die Entsprechungen von Heil auch 'gutes Vorzeichen bedeuten', wohl noch aus vorchristlicher Zeit, die Grundbedeutung ist aber 'eins, nicht zerteilt, vollständig, ganz'.
Heilig ist abgeleitet von Heil wie eisig von Eis, wahrscheinlich eine angelsächsische christliche Bildung zum religiösen Begriff Heil 'Rettung, Erlösung, Seligkeit'.
[6]

 

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

 Begriffe heilig | Weihnachten | Sprachecke 01.11.2011 | 20.12.2011

 

Datum: 22.12.2015

Aktuell: 09.02.2019