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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Schofför und Schaffner

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Der Chauffeur heißt heute Fahrer. Der Schaffner verkaufte in öffentlichen Verkehrsmitteln Fahrscheine.

Der Chauffeur war allerdings nur Autofahrer, nicht "Wagenführer" in Bus, Tram und Bahn. Wie man bei so einer Tätigkeit erwarten kann, hat dieses Wort eine bewegte Geschichte: Lateinisch cale-facere, verkürzt calefare, französisch chauffer ist 'warm machen'. Davon abgeleitet ist chauffeur 'Heizer', überliefert erst im 17. Jahrhundert vom Gehilfen des Schmieds, der den Blasebalg bediente.
Chauffeurs waren um 1800 Räuber, welche die Füße ihrer Opfer ins Feuer hielten. Bei uns drohte diese Strafe im Mittelalter dem Frevler, der im Wald Feuer machte.
[1] In Frankreich zur Zeit des Schinderhannes war das "Fußbrennen" eine Foltermethode von Banditen, um an Geld zu kommen.[2] Wir kennen das aus der Ballade "Die Füße im Feuer"[3], zurückverlegt in die Zeit der Hugenottenjagd.[4]
Nach dieser Entgleisung bezeichnete chauffeur im 19. Jahrhundert den Heizer der Dampflok und schließlich um 1900 den Autofahrer. Im Deutschen kam das Wort um 1800 auf und wurde in der jeweiligen französischen Bedeutung gebraucht.
Die weibliche Form ist chauffeuse. Bei der ersten größeren Autofahrt, 1888 von Mannheim nach Pforzheim, saß eine Frau am Steuer: Bertha Benz, die Gattin des Autobauers Carl Benz.
[5] In Frankreich denkt man eher an einen Sessel am Kamin, wo man sich wärmen kann.[6]

Fahrer war ursprünglich der 'Reisende' (Wallfahrer 'Pilger', Kreuzfahrer 'Teilnehmer am Kreuzzug', Landfahrer 'Vagabund')[7]. Um 1800 verstand man darunter den Lenker eines Pferdeschlittens, später eines Sulkys[8] beim Trabrennen, um 1900 den Radler und seit 1902 den Chauffeur.[9] Das unterschied den Fahrer vom Fuhrmann (Lastentransport) und Kutscher (Personentransport).

Bei der Postkutsche gab es schon um 1800 außer dem "Fahrer" (Postillon) noch den Kondukteur oder Schaffner, der fürs Geschäftliche und die Betreuung der Fahrgäste zuständig war. Das Fremdwort hat mit französisch conducteur 'Leiter, Lokführer' wenig gemein, hatte also im Deutschen eine längere Vorgeschichte, die sich nicht mehr aufklären lässt.[10]

Alt muss auch die Gleichsetzung mit Schaffner sein, ursprünglich 'Aufseher, Verwalter', im 19. Jahrhundert 'Begleiter der Postkutsche', später auf die Bahn übertragen.[11] Vor 1960 war das Paketauto der Post mit zwei Personen besetzt, dem Fahrer und dem Zusteller. Eine ähnliche Arbeitsteilung gab es offenbar auch bei der Postkutsche. Bei der Bundespost war Postschaffner nur noch Beamtentitel der niederen Laufbahn.
Der Schaffner in öffentlichen Verkehrsmitteln verkaufte im Wagen Fahrscheine und kontrollierte, ob jeder eine gültige Karte hatte.

 

[3] C. F. Meyer (Text)

 

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Echo Online

 

Datum: 19.01.2016

Aktuell: 09.02.2019