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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Schräge Vögel

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Inbegriff eines schrägen Vogels ist das Odenwälder Raohinkel, das an einer Böschung lebt, die von Natur schräg ist. [1]

Damit dieses Hinkel 'Huhn' am abschüssigen Rain gerade stehen kann, ist das eine Bein länger als das andere, was Fortbewegung aber nur in einer Richtung erlaubt. Das behaupten Spaßvögel, die mit ihrem schrägen Humor noch mehr in Schieflage sind als die "Rainhühner".

Nach Raohinkel wird man in der Natur vergeblich Ausschau halten und Spaßvögel haben keine Federn, sondern sind Menschen, die "lustig wie die Vögelein", immerzu "singen, springen, scherzen".[2] Sie haben ein leichtes Gemüt und meistern anscheinend das Leben mit Humor. Aber der Schein kann trügen: "Lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen, doch wie’s da drin aussieht, geht niemand' etwas an."[3]

"Komische Käuze" sind Sonderlinge und eher griesgrämig als lustig. Ein Kauz ist eine "gauzende" Eule. Gauzen ist das hessische Wort für 'bellen', hat aber ursprünglich nur 'schreien' bedeutet.[4] Den Ruf der Eule deutete man als Klageruf, wie bei der Prinzessin in "Kalif Storch", die in eine Nachteule verwandelt worden war.[5] Man glaubte, dass jemand sterben muss, wenn das Käuzchen ruft.[6]
Auch die Eule gilt als komischer Vogel, weil sie nachts wach ist und tagsüber schläft. Daher gelten Nachtmenschen und Langschläfer als Eulen, Frühaufsteher dagegen als Lerchen.
[7] Alkoholiker schilt man Schnapseulen, Volleulen.[8] Till Eulenspiegel stellte sich dumm und zeigte seinen Mitmenschen wie in einem Spiegel, wie dumm sie waren.[9] Die Eule war in Athen der Weisheitsgöttin Athene heilig und gilt heute noch als weise. Zu ihrem Ruf hat sicher beigetragen ihr starrer Blick, sodass sie aussieht, als würde sie nachdenken.
Eine mittelhessische Anekdote erzählt von einem Dorfschulzen, der seinen Kollegen in der Stadt besuchte. Dessen sprechender Papagei beeindruckte ihn überhaupt nicht: "Sowas gibt's bei uns auch." Beim nächsten Besuch brachte er seinen Vogel mit. "Aber das ist doch eine Eule! Kann sie wenigstens sprechen?" - "Nein, aber sie denkt sich ihr Teil."
[10] Den Schnabel halten und sich sein Teil denken, kann ein Zeichen von Weisheit sein.
Immerhin versucht die Eule ihren Namen zu sagen, der an heulen erinnert.
[11]

Der Kuckuck kann das besser. Seine Besonderheit ist, dass er seine Eier in fremde Nester legt. Darum nannte man uneheliche Kinder, die in der Familie ihrer Mutter aufwuchsen, Kuckuckskinder. Der Erzeuger kümmerte sich so wenig wie der Kuckuck um seinen Nachwuchs. Diese Kinder waren bei ihren Halbgeschwistern oft nicht beliebt, weil sie nicht richtig dazugehörten. Auch ein anderer "Kuckuck" ist unbeliebt: das Pfandsiegel des Gerichtsvollziehers, auf dem früher der Adler abgebildet war.[12]

 

[10] Vogelsbergkreis Suchwort "Papagei"

 

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Echo Online

Sprachecke 02.08.2016 | Begriffe Vögel

 

Datum: 09.02.2016

Aktuell: 09.02.2019