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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Vögel und Bäume

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die Lerche schwingt sich tirilierend in die Luft und die Wachtel lenkt wackelnd und quackelnd von ihrem Nest ab.

Lärche und Wacholder dagegen rühren sich nicht vom Fleck, unbeeindruckt von dem, was um sie herum geschieht, es sei denn der Wind treibt es gar zu arg. Sie können nicht anders, denn sie sind Bäume. Lerchen oder Wachteln lassen sich selten auf ihnen nieder.

Gemeinsamkeiten gibt es nur in ihren Namen, und die sind reichlich kompliziert:

Außer bei der Lärche, die hat nie anders geheißen und war schon den Römern als larix bekannt, eine Abwandlung des Baumnamens der-:[1] Beide Anfangsbuchstaben wechseln auch in anderen Fällen: Wenn der Hesse dämelt, ermahnt ihn die Schwäbin nicht so lamelig 'saumselig' zu sein.[2]

Bei den anderen dreien aber gibt es eine Fülle von Namensvarianten: Der Wacholder heißt in Norddeutschland Machandel, aus dem Hochdeutschen übernommen und verunstaltet. Das vorgermanische Wort war wogolos, altniederdeutsch wakel, und wegol-(t)ros, althochdeutsch wechaltar.[3] Das Grundwort steckt in althochdeutsch s-wechan 'riechen': Das Holz enthält duftende Öle. Dazu das heutige sch-mecken: auch m und w können wechseln (altenglisch mere / waer 'See')[4]. Der abweichende Anlaut bei Machandel erstaunt so wenig wie bei Lärche.

Die Baiern nennen den Wacholder Kranewit. Man vermutet, dass das der Baum (althochdeutsch witu) des Kranichs ist, aber der Kranich im Feuchtgebiet[5] weiß nichts vom Wacholder, der trockene Böden bevorzugt.[6] Kran- ist vielmehr das keltische Wort für 'Baum' (qrannos, irisch crann).[7] Es handelt sich also um eine verdeutlichende Zusammensetzung wie Rentier und Walfisch.
Die Früchte heißen Kranbeeren, die Wacholderdrossel Kranvogel, Klammerformen
[8] ohne -wit-. Kranbeeren gibt es auch in Norddeutschland, das sind Verwandte der Heidelbeeren[9], als Fremdwort im Englischen cranberries. Sie sind wirklich "Kranichbeeren" und haben mit den bairischen Namensvettern nichts zu tun.

"Das singende springende Löweneckerchen" im  Märchen[10] singt wie eine Lerche (plattdeutsch Löverke), springt wie ein Eichhörnchen (Eckerke) und gehörte einem Löwen - eine scherzhafte Deutung des plattdeutschen Namens der Lerche. (anders) Altdeutsch lêricha und lêwerka führen zurück auf germanisch laiw- und alteuropäisch lau- 'tönen, singen'.[11]

Singen kann man das "Quackeln" der Wachtel und ihren durchdringenden Ruf "pickwerwick" ja nicht nennen. In den Niederlanden heißt sie tatsächlich kwakkel, die Vorform von romanisch quaccola, französisch caille, englisch quail. Sie heißt aber nicht so, weil sie quack macht, sondern weil sie schreit (indogermanisch vak'-, daher ihr litauischer Name vãštaka).[12]

 

[8] dreiteilige Wörter ohne den Mittelteil

 

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Datum:

Aktuell: 13.03.2019