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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Neustädte

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Neustadt" gibt es in vielen Sprachen, es ist einer der am weitesten verbreiteten Namenstypen.[1]

Das ist nicht erstaunlich, denn wenn neue Siedlungen gegründet wurden, redete man erst mal von "der neuen Stadt, Burg, dem neuen Dorf, Heim" oder ähnlich, sozusagen als Arbeitstitel, bevor der offizielle Name vergeben wurde. Bei staatlich angeordneten Gründungen ehrte man gern den Landesherrn im Namen (Karlsruhe, Friedrichsdorf). Oft blieb es auch beim Arbeitstitel, daher zum Beispiel Nauheim, Nauses ('Neusitz'), Neunkirchen ('zur neuen Kirche'), Neustadt. Weniger zahlreich sind die Namen mit alt - kein Wunder, denn die "alten" Orte hatten ja schon einen Namen.[2]
Auch im Ausland gibt es Neustädte: englisch Newton (new town), schwedisch Ny-köping (finnisch Uusi-kaupunki), italienisch Citta-nova und Villa-nova, polnisch Nowogard (deutsch Nau-gard), griechisch Nea-polis, keltisch Novio-dunum (französisch Nyon).
Am berühmtesten aber ist Karthago in Tunesien
[3], punisch Qart-hadôta mit einer Tochter in Spanien (heute Cartagena, auch in Südamerika und auf den Philippinen)[4]. Karthago war eine phönizische Ansiedlung.
Auch die Griechen ließen sich im Ausland nieder, zum Beispiel in Neapel und Marseille. Die Gründe für die Auswanderung waren vielfältig. Karthago wurde von politischen Flüchtlingen aus Tyros erbaut.
[5] Ein Grieche blieb mit seinen Leuten in Marseille, weil die dortige Königstochter ihn zum Mann nahm.[6] Andere neue Städte gingen aus Handelsniederlassungen hervor.
In Italien gab es den Brauch des Vêr sacrum 'heiligen Frühlings': Manchmal mussten alle in einem bestimmten  Frühling Geborenen auswandern und suchten in der Fremde eine neue Heimat.
[7]

Lateinisch colônia[8] wurde oft mit 'Pflanzstadt' übersetzt, verstanden als 'Ableger in fremder Erde', besser wäre 'Siedlung', denn das Grundwort cólere konnte 'pflanzen' und 'wohnen' bedeuten' (wie bei agrí-cola 'Landwirt' und ín-cola 'Einwohner'). Diese Kolonien entstanden nicht durch Auswanderung, sondern die Siedler wurden in eroberte Gebiete (Provinzen) geschickt. Später war colônia nur ein Ehrentitel, der Städten außerhalb Italiens verliehen wurde. So kam Köln zu seinem Namen, Kurzform einer umständlichen amtlichen Bezeichnung.[9]
Wir verstehen heute unter Kolonie besonders 'eroberte überseeische Besitzungen', deren Wirtschaftskraft dem Mutterland zugutekam, wie im alten Rom.

Die Römer aber nannten die eroberten Gebiete Provinzen.[10] Lateinisch província bedeutete ursprünglich 'Aufgabe, Amt, Amtsbereich (eines Statthalters)', eigentlich provin-cia 'Chefsache', zu indogermanisch provo(n) 'Chef', althochdeutsch frô(n) 'Herr', frouwa 'Herrin', heute Frau[11].

 

[1] Kreuzdenker, Siedlungsnamen: Neustadt (dort Links zu den genannten Städten)

[9] Colonia Claudia Ara Agrippinensium – Wikipedia = 'Römische Stadt mit dem Altar des göttlichen Kaisers Claudius, benannt nach seiner dort geborenen Tochter Agrippina'

 

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Datum:

Aktuell: 09.02.2019