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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Recht und Freiheit

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Am 23. Mai war der Tag des Grundgesetzes, dessen Werte "Einigkeit und Recht und Freiheit" unsre Nationalhymne besingt.

1841, als August Heinrich Hoffmann von Fallersleben das "Lied der Deutschen" dichtete,[1] war alles noch in weiter Ferne, das Land der Deutschen ein Flickenteppich von Kleinstaaten, in denen Adlige selbstherrlich regierten und Recht und Freiheit nur für sich selbst anerkannten. Bis zu einer gut funktionierenden Demokratie und erst recht zur äußeren Einheit war noch ein weiter Weg.

Nach Diktatur und Krieg erfand sich Deutschland neu und gab sich eine neue Verfassung, die am 23.05.1949 verkündigt wurde.[2] Die Hessische Verfassung gilt schon seit 01.12.1946.[3]

Eigentlich heißt die deutsche "Verfassung" ja Grundgesetz. Das war zunächst nur als Übergangslösung für die drei westlichen Besatzungszonen gedacht; eine richtige, vom Volk gebilligte Verfassung für ganz Deutschland sollte folgen.[4] Da sich die neue Ordnung bewährt hatte und die Wiedervereinigung auf sich warten ließ, blieb's bei dem vorläufigen Namen. Und so wurde Grundgesetz zu einem anderen Ausdruck für Verfassung.

Das Wort Grundgesetz[5] kam nach dem 30jährigen Krieg auf, als das Heilige Römische Reich neu geordnet wurde. Die Juristen benannten eine Anzahl wichtiger Gesetze als Grundlage für das deutsche Staatswesen:[6] vom Wormser Konkordat (1122)[7] über den Augsburger Religionsfrieden (1555) bis zum Westfälischen Frieden (1648)[8]. "Grundgesetze" wurde schon 1627 im Sinne von 'Verfassung' gebraucht, ein Begriff, der erst nach der Französischen Revolution geschaffen wurde.[9]

Fassen kommt von Fass 'Gefäß, Behälter'; gemeint war ursprünglich 'in ein Fass füllen, verpacken, laden, liefern', auch 'in einen Rahmen setzen'.[10] Die Ableitung verfassen bedeutete unter anderem 'zusammenfassen', auch 'einen Text entwerfen'. Verfassung war 'Zusammenfassung, Aufsatz', seit dem 17. Jahrhundert 'gewachsene Rechtsordnung', deren "Grundgesetze" und schließlich 1796 die neue französische "Constitution".[11]

Eine der ältesten deutschen Verfassungen wurde 1809 in Weimar erlassen.[12] Hessen-Darmstadt folgte 1820. Die hessische Verfassung legte auch Rechte der Bürger fest, wie Gleichheit vor dem Gesetz, keine Vorrechte bei der Vergabe von Staatsämtern, Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit, Freiheit der Person und des Eigentums, keine Leibeigenschaft und Frondienste, Rechtssicherheit, unabhängige Rechtsprechung, Pressefreiheit, freie Berufswahl.[13] Großherzog Ludwig I.[14] wurde dafür mit dem Darmstädter "Langen Ludwig"[15] geehrt.

Unser Rechtsstaat hat eine gute alte Tradition. Ich möchte nicht erleben, dass das alles wieder zunichte gemacht wird durch Machtgelüste, fehlenden Gemeinsinn oder Unvernunft.

 

[6] Gewaltenteilung Kirche und Staat: Wormser Konkordat – Wikipedia

[7] Gleichstellung von Katholiken und Lutheranern: Augsburger Reichs- und Religionsfrieden – Wikipedia

[8] Anerkennung auch der Reformierten: Westfälischer Friede – Wikipedia

 

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Echo Online

Sprachecke 24.05.2016

 

Datum: 24.05.2016

Aktuell: 09.02.2019