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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Art und Weise

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Art und Weise" war ein Lieblingsausdruck der Grammatiker und Wörterbuchschreiber.

Sie unterschieden "Umstandswörter der Art und Weise" (wie?) von denen des Ortes (wo?), der Zeit (wann?) und des Grundes (warum?).[1] Heute nennen wir sie "modale, lokale, temporale und kausale Adverbien"[2]. Sie bezeichnen die begleitenden "Umstände" eines "Verbs", dem sie zugeordnet sind ("ad-"). In den Wörterbüchern werden englisch manner[3] und französisch mode[4] unter anderem mit 'Art und Weise' erklärt. Warum so umständlich? Weil Weise allein missverständlich ist. Gemeint kann auch sein 'kluge Frau' und 'Melodie' und - wenn man das Wort nur hört, 'hellhäutige Frau' und 'elternloses Kind' - ein bisschen viel auf einmal. Die Zwillingsformel[5] dient also zur genaueren Erklärung, was gemeint ist.

Dabei sind Art und Weise nicht genau dasselbe: Das eine ist die 'Beschaffenheit, Sorte' einer Person oder Sache; das andere die 'Methode' einer Handlung. Weise 'Methode' kommt wie weise 'klug' von wissen. Man könnte fast sagen, das "Know-how", das "Gewusst-wie", das wir beherrschen müssen, um eine Tätigkeit auszuführen. In Zusammensetzungen dient -weise zur Bildung von Adverbien, mit Substantiv: eimerweise (Eimer für Eimer), Adjektiv: gleicherweise (in gleicher Weise), Verb: leihweise (nur geliehen).

Zu Weise gibt's mehrere gleichlautende Wörter (Homonyme), sodass man nicht gleich weiß, was gemeint ist. Auch zu Art gab es ein Homonym mit der Bedeutung 'Acker, Grund und Boden', daraus lässt sich notfalls 'Heimat, Herkunft' ableiten, aber nicht 'Beschaffenheit'.
Eine andere Erklärung versucht anzuknüpfen an lateinisch ars / artis 'Kunst', auch 'Art und Weise, Trick'.
[6] Von der erschlossenen Grundbedeutung 'Fügung' führt nur ein langer, verwinkelter Weg zu 'Abstammung, Beschaffenheit'.

Wenn aber Art eine Parallelbildung wäre zu lateinisch ortus 'Aufgang, Ursprung, Herkunft'[7], wäre der Übergang kürzer. Art wäre die Schwester von ortus, nicht die Tochter.

Zu Art gibt es interessante Ableitungen, im Hochdeutschen wie im Hessischen: Ein Kind ist artig, wenn es sich benehmen kann, nicht dass man sagen muss: "Was du da tust, ist doch keine Art", das gehört sich nicht. Art ist hier das 'Benehmen', wie es in besseren Kreisen üblich ist. Das ist keine "Methode", wie man etwas machen kann, sondern eine Sitte. Daher ist Unart eine 'Unsitte', bei Niebergall auch 'ungezogenes Kind'.[8]

"Ess ner ortlich, es is genunk do", greife nur tüchtig zu! Ortlich ist altdeutsch artlich 'dass es eine Art hat, wie es jemands Art ist, viel'.[9] Das ist etwas anderes als ordentlich, manierlich, kleine Bissen mit Messer und Gabel und ohne zu kleckern. Später hat man dieses Wort aber auf ordentlich bezogen.[10]

 

[1] Fritz Hintze, Deutsche Schulgrammatik (1966) S. 64

[2] Duden Grammatik (2005) S. 578

 

 

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Echo Online

 

Datum: 12.07.2016

Aktuell: 09.02.2019