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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Wo wächst der Pfeffer?

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Das Land "wo der Pfeffer wächst" ist so unbeliebt wie die Hölle und so unwirtlich wie der Mond.

Unangenehme Zeitgenossen wünschte man früher dahin, "wo der Pfeffer wächst". Heute möchten wir sie am liebsten "auf den Mond schießen". Technisch ist beides machbar; es ist aber die Frage, ob wir uns nicht eines Tages dort wiedersehen. Denn es kann uns ja genauso gehen.

Seinem Namen nach kommt der Pfeffer aus Indien. Altindisch pippala war die 'Pappelfeige'[1], das ähnliche pipallî 'Beere'[2] und 'Pfeffer'. Auch die Pappelfeige hat beerenähnliche Früchte. Pippala heißt in einigen Dialekten pimpala.[3] Das Grundwort p-(m)p-, b-(m)b- 'Kugel' steckt auch in Bombe (kugelförmig wie auf den Karikaturen) und Pumpe (ursprünglich 'Schöpfgefäß').[4]
Der Pfeffer aus Indien war schon früh ein begehrtes und teures Gewürz. Sein Name, lateinisch piper kommt wegen des r nicht direkt aus Indien, sondern muss über Umwege nach Europa gelangt sein. Von den Römern haben wir's vor der 2. Lautverschiebung übernommen und zum typisch hochdeutschen pf-ff- umgestaltet.

Fremde Pflanzen (Neophyten) breiten sich auch bei uns aus.[5] Dasselbe hat der Pfeffer-Name in der Sprache angerichtet: Mehrere Pflanzen heißen Pfefferkraut, zum Beispiel eine Kressenart und das Bohnenkraut.[6] Auch der Pilz Pfifferling, Paprika (zu kroatisch papar 'Pfeffer') und Peperoni (italienisch peperone 'großer Pfeffer, Paprika', peperoncini 'Peperoni) gehören dazu. Das alles lässt sich ja nachvollziehen.

Aber e­ i n Pflanzenname hat angefangen wild zu wuchern und unzählige Sorten hervorzubringen, die überhaupt nicht mehr an das indische Gewächs erinnern. Zwei "Kultursorten" haben sich bei uns durchgesetzt: Bibernell (das Rosengewächs 'Wiesenknopf')[7] und Bimbernell / Pimpernelle / Pimpinelle (ein Doldenblütler, zu dem auch Anis gehört).[8]
Biber- ist natürlich nicht das Nagetier, sondern die lateinisch-romanische Aussprache von piper. Das Nebeneinander von bib- und bimb- erinnert wiederum an die indische Pappelfeige. Grundlage für das deutsche Namenschaos sind altfranzösisch pi(m)prenele und italienisch pimpinella. Zu allem Überfluss gab es  noch einen ähnlichen mittelalterlichen Fischnamen.
[9] Das alles ist sehr verwirrend.

Der Darmstädter Autor Robert Schneider legte einen Teil seiner Mundart-Gedichte und -Geschichten einem "Bienche Bimbernell" in den Mund.[10] Dieser erfundene Familienname bezeichnet wie Pimperliese eine wehleidige Person, wurde aber dem Pflanzennamen angeglichen. Das Wort gehört zu bimmern, das wie wimmern 'jammern, klagen bedeutet'.[11]

 

[11] Südhessisches Wörterbuch 1,847f

 

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Echo Online

Begriffe: Pflanzen

 

Datum: 26.07.2016

Aktuell: 09.02.2019