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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Macht des Wortes

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Manchmal kommt man sich vor, "wie wenn man einem Ochsen ins Horn petzt". Der spürt das nicht und reagiert nicht. Da muss man bitten und betteln, läuft von Pontius zu Pilatus und redet  sich Fransen an den Mund - alles umsonst. Die Worte verhallen ungehört und Schreiben haben keine Wirkung.
Trotzdem glaube ich an die Macht des gesprochenen Wortes. Auch wenn überhaupt keine Reaktion zu sehen ist: Der Hörer tut, als ließe er sich nicht beeindrucken und überlegt sich's vielleicht trotzdem noch einmal. Auf lange Sicht verändern Worte das Denken. Besonders wenn sie nicht wie ein Wasserfall unaufhörlich hervorsprudeln, sondern mit Bedacht gesetzt werden. Denn Worte haben ein Gewicht, aber anders als in der Natur ist das Gewicht umgekehrt proportional zur Masse: Ein einsilbiges "Ja" wiegt mehr als das Babbel-ewig des Wasserfalls.

Wort (indogermanisch w°rdhóm) ist die genaue Entsprechung von lateinisch verbum (wérdhom) und nur in der Betonung unterschieden.[1]

Das Grundwort wer- 'sprechen' steckt auch in schwören (germanisch s‑werian). Dies zeigt, dass wer- nicht die Alltagsunterhaltung meinte, sondern verbindliche Worte, zum Beispiel vor Gericht oder bei unserm "Wort", das wir geben. Man muss sich darauf verlassen können, daher wahr 'zuverlässig, ehrlich, wirklichkeitsgetreu' und slawisch věra 'Glaube'. Denn glauben ist 'für wahr halten', ursprünglich von dem, was jemand sagt. Sogar wahrnehmen gehört zur Familie. Denn bevor man etwas glaubt, muss man auf die Worte achten und aufmerksam zuhören. Deshalb verdienen Menschen, die nicht nur reden, sondern etwas zu sagen haben, im doppelten Sinn unsre Achtung: unsre Aufmerksamkeit und unsern Respekt. Daher hat das von lateinisch vêrus 'wahr' abgeleitete verêri die Bedeutung 'achten und verehren' angenommen.[2]

 

 

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Echo Online

Begriffe: Sprache | Sprachecke 12.12.2017

 

Datum: 16.08.2016

Aktuell: 09.02.2019