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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Gefährliche Zeiten?[1]

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Die gefährlichste Zeit in den Garten zu gehen ist bekanntlich, wenn die Bäume ausschlagen. Auch den Wald sollte man im Lenz meiden, nicht nur der Bäume wegen, sondern weil die Nachtigallen schlagen. Und selbstverständlich halten wir uns auch dem Friedhof fern, wenn die Uhr Mitternacht schlägt, genauer: die Glocke der Turmuhr.

Völlig harmlos ist es, wenn jemand morgens die Augen aufschlägt, die Bettdecke zurückschlägt, die Bibel aufschlägt und im Lexikon etwas nachschlägt. Früher hat man auch Türen und Deckel aufgeschlagen, heute schlagen wir sie nur zu, mit etwas zu viel Schwung. Aufschlagen, zuschlagen bedeutet also 'auf-, zuklappen', meist gefühlvoll, aber doch mit einer ausholenden Armbewegung.[2]

Und wie ist es mit den Augen? Die haben doch "Augendeckel", Lider. Althochdeutsch lit war allgemein der Deckel.[3] Hessisch Lid, Led war die Klappe am Schweinestall, durch die man das Futter in den Trog füllte.[4] Das Gegenteil von "die Augen aufschlagen" kann sein "sie schließen", etwa beim Einschlafen oder "sie niederschlagen", den Blick senken, zum Beispiel aus Schüchternheit.

Der Nachtigallenschlag ist ihr Gesang. Zugrunde liegt die Redewendung, dass man bestimmte Instrumente "schlägt", nicht nur die Trommel, auch Saiteninstrumente wie Laute und Harfe und sogar die Orgel, bei der die Tasten "angeschlagen" werden.[5] Von der Instrumentalmusik wurde schlagen auf den Vogelsang übertragen.

Zu den harmlosen Schlägen gehört auch eine andere Art von Musik: der Schlager. So nannte 1881 ein Wiener Musikkritiker ein sehr beliebtes Musikstück, wohl im Sinn von 'durchschlagender Erfolg'[6] und Lehnübersetzung des gleichbedeutenden englischen hit, das schon 1811 bezeugt ist.[7]

 

 

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Echo Online

 

Datum: 30.06.2016

Aktuell: 09.02.2019