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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Groß und klein

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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MAJUSKEL
minuskel

 

Versalien sind Großbuchstaben.

 

Die Grundschülerin hatte eine tolle Idee: Große Sachen schreibt man groß und kleine klein, also "maus / Elefant, stein / Berg". Aber so einfach ist das nicht, denn es ist Auffassungssache, ob man einen Halbwüchsigen als kleinen Riesen oder großen Zwerg ansieht.

Im Altertum schrieb man Blockschrift (Majuskeln), alle Buchstaben in derselben Größe. Im frühen Mittelalter kamen die Minuskeln auf, die heutigen Kleinbuchstaben.[1] In "heutig" haben h und t Oberlängen, sie ragen über Standardhöhe hinaus, g dagegen hat Unterlänge. Das sind die normalen Buchstabenformen, keine Großbuchstaben. Die Großbuchstaben (Versalien)[2] standen als vergrößerte und verzierte Initiale bei Überschriften und am Anfang eines neuen Abschnitts.[3] In der Gutenbergbibel (1452-54)[4] sind außerdem auch die Satzanfänge großgeschrieben, Namen aber klein.

Luther schrieb auch die wichtigsten Wörter im Satz groß: "Da scheidet Gott das Liecht vom Finsternis / vnd nennet das liecht / Tag / vnd die finsternis /Nacht."[5] Im zweiten Teil sind die bereits genannten "Licht" und "Finsternis" weniger wichtig als ihre Namen "Tag" und "Nacht".

Namen sollten schon 1527 großgeschrieben werden,[6] 1653 auch Substantive, 1691 auch substantivierte Infinitive.[7] Und seitdem tüfteln unsre Gelehrten an Regeln, welche Wörter großgeschrieben werden sollen. Luthers Regel war einfacher.

Einen ganz neuen Weg schlugen Jacob[8] und Wilhelm Grimm[9] in ihren wissenschaftlichen Schriften ein: Sie schrieben alles klein außer Namen, auch die Satzanfänge.[10] Die ohnehin ungegliederten und mit Einschüben gespickten Artikel werden dadurch sehr unübersichtlich und fast unlesbar. Die Grimms haben sich zum Glück nicht durchgesetzt.

 

 

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Begriffe: Schrift

 

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Aktuell: 16.02.2018