Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Lang und kurz

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Auf Ihre Fragen antworte ich gern. Email

Email:

 

 

Kurze Vokale stehen vor mehreren Konsonanten, anders ausgedrückt: in geschlossener Tonsilbe. Eine geschlossene betonte Silbe endet mit Konsonanten: lan-den. Lange Vokale stehen vor einem einzelnen Konsonanten und in einer offenen Tonsilbe, die mit diesem Vokal endet: la-den. Wenn ein Konsonant nach kurzem Vokal steht, schreiben wir ihn doppelt und rechnen den zweiten zur folgenden Silbe: Lat-ten.[1]

Wenn aber bei der Beugung eines Wortes die Endung wegfällt, steht der Konsonant, mit dem die zweite Silbe begann, am Ende der ersten: la-den / lad sie ein. Das a aber bleibt lang, obwohl die Silbe jetzt geschlossen ist. An der Aussprache und Schreibung ändert sich nichts. Wir wissen ja, dass beide Formen zusammengehören.

Aber warum begnügen wir uns dann nicht mit "Ban / banen, mer / meren, Lon / lonen, Stul / Stüle" sondern schreiben alles mit h (Bahn, mehr, Lohn, Stuhl)? Und wozu dann auch noch Haar, Beet, Moos, wo doch "Har / Hare, Bet / Bete, Mos / Mose" deutlich genug wären?
Ein Grund für diese Ungereimtheiten ist unser Bedürfnis, gleichlautende Wörter zu unterscheiden: Aale 'Fische' / Ahle 'Pfriem', leere 'nicht volle' / Lehre 'Ausbildung', Moor 'Sumpf' / Mohr 'Afrikaner'. Dies erleichtert das Verständnis beim Lesen. Beim Hören können wir aber nicht erkennen, ob 'Sumpf' oder 'Afrikaner' gemeint ist. Wir unterscheiden jedoch zwischen d a s Moor und d e r Mohr. Und wenn was "spazieren vor dem Tor" geht, kann es nur ein Mohr sein.

Ein Sonderfall ist ie, das war ursprünglich ein Diphthong, heute noch im Bairischen liab 'lieb', fial 'fiel'. Viel 'eine Menge' hatte ursprünglich kurzes i, das gedehnt wurde (viel, da viele), bairisch vil.[2]

 

[2] Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch

lieb 2,418

fiel 1,519

viel 1,627

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

 

Datum: 06.03.2018

Aktuell: 01.03.2018