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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Namen und nehmen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Unsre "Kinderschulstante" hielt militärische Disziplin. Vorm Essen setzten wir uns auf Stuhlreihen und die Erzieherin verteilte unsre Essenstäschchen: "Heidi!" - "Bitte-danke!". "Walter!" - "Bitte-danke!" (statt "Bitte" - nehmen - "Danke"). Sie rief unsre Namen[1] auf und wir nahmen[2] die Täschchen in Empfang.

Haben diese beiden Wörter einen gemeinsamen Ursprung? Wir nehmen uns doch die Namen nicht, sondern sie wurden uns gegeben! Das Beispiel von der Erzieherin zeigt aber den Zusammenhang auf: Es gab was zu verteilen. Sie rief die Namen auf und teilte jedem das Seine zu. In der Vorzeit wird das Aufgabe des Häuptlings gewesen sein, der den einzelnen Gruppenmitgliedern ihren Anteil am gemeinsam Erwirtschafteten und der Jagdbeute gab - der eine gibt, der andere nimmt.

Das klingt einleuchtend, kann aber eine zufällige Ähnlichkeit sein wie Saat und saht. Was spricht sonst für Namen = nahmen?
Ein sehr gewichtiges Argument ist, dass die indogermanischen Sprachen zu beiden Wörtern Varianten ohne n haben, ganz deutlich bei altslawisch im-je 'Name' und im-ati 'nehmen'. Grundbedeutung des Verbs ist aber nicht 'an sich bringen', sondern 'verteilen', wie das griechische némein zeigt.

Und was war eher da? Der Name natürlich. Nicht weil man ohne Namen nicht teilen könnte, sondern weil nehmen nur indogermanisch ist. Das ältere Name aber gibt es auch in den uralischen und altaischen Sprachen (wie finnisch und türkisch). Wie albanisch namatís 'murmeln', nëmë 'Fluch' zeigen, liegt ein uraltes Wort zugrunde für 'Töne hervorbringen; Laut, Spruch, Name; Sprecher, Prophet, Gebieter'. Es ist vom Atlantik bis zum Pazifik und vom Nordkap bis fast an den Äquator verbreitet.[3]

 

 

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Echo Online

Begriffe Name | Sprachecke 07.01.2014 | 06.06.2017

 

Datum: 29.05.2018

Aktuell: 06.07.2018